Papst fordert EU zur Aufnahme von Bootsflüchtlingen auf

Papst Franziskus

Andrew Medichini/AP/dpa

Papst Franziskus

Papst Franziskus hat die Europäische Union zur Aufnahme der seit zwei Wochen auf zwei deutschen Rettungsschiffen vor Malta blockierten Bootsflüchtlinge aufgefordert.

"Seit vielen Tagen befinden sich 49 im Mittelmeer gerettete Menschen an Bord von zwei NGO-Schiffen, die nach einem sicheren Hafen suchen", sagte er am Sonntag beim Angelusgebet vor 60.000 Gläubigen auf dem römischen Petersplatz. Franziskus appellierte an die europäischen Regierungschefs, konkret Solidarität mit den Geretteten auf den Schiffen der Nichtregierungsorganisationen (NGO) zu zeigen.

"Wir lassen uns nicht erpressen"

Währen die übrigen EU-Länder eine Aufnahme der Flüchtlinge verweigerten, brach in der italienischen Regierung ein Streit über ein Angebot des stellvertretenden Ministerpräsidenten Luigi Di Maio aus, Frauen und Kinder von beiden Schiffen aufzunehmen. Sein Amtskollege Matteo Salvini beharrte auf der Schließung der italienischen Häfen für Flüchtlingsschiffe. "Wir lassen uns nicht erpressen", betonte der italienische Innenminister und stellvertretende Regierungschef.

Der maltesische Premierminister Joseph Muscat begründete seine Weigerung, die beiden deutschen Schiffe "Sea-Watch 3" und "Professor Albrecht Penck" in einen Hafen einlaufen zu lassen, mit dem Argument, die Insel dürfe nicht zum Zentrum für von NGOs gerettete Flüchtlinge werden.

Verhandlungen nicht auf Kosten von Menschen

Der Erzbischof von Malta, Charles Scicluna, besuchte unterdessen am Samstag die Besatzung des in Malta festgehaltenen deutschen Seenotrettungsschiffs "Lifeline". Scicluna forderte dabei die Europäische Union auf, eine Lösung für die vor Malta blockierten Flüchtlinge zu finden. "Verhandlungen sollten nie auf Kosten von Menschen in Not gehen", sagte er der Erzdiözese Malta zufolge.



Die "Lifeline" liegt seit ihrer Ankunft im Hafen von Malta im vergangenen Juni dort fest. Gegen den Kapitän des Schiffs der Dresdener Hilfsorganisation Mission Lifeline läuft in La Valletta ein Verfahren wegen der Registrierung des Schiffs. Die "Lifeline" hatte im Juni nach längerem Tauziehen 450 vor der libyschen Küste gerettete Bootsflüchtlinge nach Malta gebracht.