Jugendforscher: Rechtspopulismus bei jungen Menschen eher unpopulär

Jugendforscher: Rechtspopulismus bei jungen Menschen eher unpopulär
Rechtspopulismus trifft nach Einschätzung des Jugendforschers Klaus Hurrelmann bei der Mehrheit der jungen Menschen in Deutschland auf wenig Zustimmung. Alle Untersuchungen und Studien zeigten, dass die jungen Leute toleranter sind als die ältere Generation, sagte Hurrelmann dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das zeige sich auch im Wahlverhalten der Jungen.

Der Forscher fügte hinzu: "Aber keiner weiß, wie lange das hält in einer möglichen Krisensituation. Das hängt dann sehr stark davon ab, in welcher Arbeitsmarktsituation sie sich befinden und ob sie das Gefühl haben, in der Gesellschaft gebraucht zu werden." 2019 werden in den ostdeutschen Ländern Brandenburg, Sachsen und Thüringen neue Landtage gewählt. Umfragen zufolge könnte die AfD derzeit hohe zweistellige Ergebnisse einfahren.

Insgesamt sei die Generation der unter 30-Jährigen nicht die, die AfD wählt, sondern es seien die etwas Älteren, sagte der Sozialwissenschaftler. Wenn sich die heute gute wirtschaftliche Situation allerdings ändere und damit sei zu rechnen, werde es auch einen Teil der jungen Generation treffen, die noch heute ihre Arbeitsplätze auswählen kann und sich um ihre berufliche Existenz keine Sorgen machen muss.

Junge Menschen seien sehr sensibel

"Der Zusammenhang zwischen gefühlten beruflichen Perspektiven und politischer Orientierung ist sehr eng", sagte Hurrelmann. Und junge Leute seien sehr sensibel, besonders die jungen Männer. "Da weiß man nicht, ob nicht dann auch eine Partei wie die AfD unter jungen Leuten punkten kann", sagte der Jugendforscher.

Auch heute schon gebe es auch unter den Jungen Gruppen, wo rechtspopulistische Positionen auf große Zustimmung stießen. Das habe nicht nur - aber in ganz großer Linie - etwas mit der eigenen Lebenssituation zu tun. Besonders junge Männer, die das Gefühl haben, gesellschaftlich keine gute Position einzunehmen und auch nicht einnehmen werden, seien anfällig für alle, die ihnen sagten, dass das gesellschaftliche Leben so nicht weitergehen kann, sagte Hurrelmann: "Sie wollen Recht und Ordnung und suchen nach Sündenböcken dafür, dass sie nicht so erfolgreich sind. Das hat was mit dem Bildungsgrad zu tun, aber ganz besonders mit dem persönlichen, subjektiven Empfinden. Das trifft verstärkt auch auf junge Männer im Osten zu."



Die große Resonanz der AfD bei der mittleren Generation zwischen 30 und 40 Jahren, denen es zumeist auch wirtschaftlich gut gehe, ist laut Hurrelmann schwer zu erklären. "Wir tun uns da unheimlich schwer", sagte der Sozialwissenschaftler. Das müsse strukturell etwas damit zu tun haben, dass diese Altersgruppe das Gefühl habe, im Schatten der über 50-Jährigen, der Baby-Boomer-Generation, zu stehen. "Eigentlich sind sie gut weggekommen, es geht ihnen objektiv gut, aber sie haben immer das Gefühl, es könnte etwas schief gehen und empfinden ihre gesellschaftliche Situation als prekär", sagte Hurrelmann.

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