Müller fordert Einsatz gegen Kinderarbeit

Kinderarbeit

Bild: dpa/Lynn Bo Bo

In Myanmar: Ein zwölfjähriger Junge trägt beim Entladen eines Schiffes zwei Körbe auf seinen Schultern.

Müller fordert Einsatz gegen Kinderarbeit
Entwicklungsminister Müller sieht im Kampf gegen Kinderarbeit Bürger, Firmen und die EU in der Pflicht. Aus Sicht von "Brot für die Welt" ist es ein Skandal, dass weltweit wieder mehr Menschen hungern müssen.

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) ruft anlässlich des Jubiläums von "Brot für die Welt" zum Engagement gegen Kinderarbeit auf. 100 Millionen Schokoladennikoläuse würden in der Vorweihnachtszeit in Deutschland verkauft, sagte er am Dienstag in Berlin und appellierte an die Bundesbürger, diese aus fairer Produktion zu kaufen, "damit Kinder zur Schule gehen können und nicht als Arbeitssklaven auf den Plantagen schuften müssen". Am Sonntag (erster Advent) startet die 60. Spendenaktion von "Brot für die Welt".

"Brot für die Welt"-Präsidentin Cornelia Füllkrug-Weitzel machte auf die zunehmende Zahl der Hungernden aufmerksam. "Der Anteil der Menschen an der Weltbevölkerung, die Hunger leiden, ist zwar in den letzten 60 Jahren deutlich zurückgegangen. Doch wir sehen mit Sorge, dass die Zahl der Hungernden nun zum zweiten Mal in Folge wieder angestiegen ist", sagte sie. "Dass wieder mehr Menschen hungern, obwohl wir die Mittel haben, alle Menschen satt zu machen, ist ein Skandal." Nach Angaben der Vereinten Nationen hungerten 2017 rund 821 Millionen Menschen.

Minister Müller sagte, die globalen Lieferketten müssten frei von Kinderarbeit sein. Dies müsse sich auch in Freihandelsabkommen niederschlagen, die die Europäische Union abschließe. Es sei "inakzeptabel", dass im EU-Wirtschaftsraum Produkte konsumiert würden, in denen ausbeuterische Kinderarbeit stecke.

Nur 15 Prozent des verkauften Kaffees ist fair

Müller kritisierte zugleich, dass lediglich 15 Prozent des in Deutschland verkauften Kaffees aus fairer Produktion stamme. Bei Kaffee sowie bei Kakao, bei dem faire Produkte einen Anteil von mehr als 50 Prozent haben, setze er auf die Selbstverpflichtung der Unternehmen und auf die Sensibilität der Kunden. Doch wenn Freiwilligkeit nicht zum Ziel führe, "brauchen wir gesetzliche Regelungen", betonte er.

"Entsetzt" äußerte sich Müller darüber, dass "ein deutscher Handelskonzern" aktuell Bananen für 89 Cent pro Kilo verkaufe. Wer einen solchen Preis anbiete, nehme Kinderarbeit in Kauf, betonte Müller ohne den Namen des Unternehmens zu nennen.

Ausbeuterische Kinderarbeit betrifft 100 Millionen

Der indische Friedensnobelpreisträger Kailash Satyarthi machte auf Kinderarbeit bei der Teppichproduktion aufmerksam und verwies auf das "Goodweave"-Siegel (zuvor: "Rugmark"), dass er gemeinsam mit "Brot für die Welt" und anderen Organisationen ins Leben gerufen hat. "Unsere Arbeit hat das Leben von Millionen von Kindern zum Positiven verändert", betonte er. Satyarthi hat vor wenigen Wochen eine neue weltweite Kampagne gegen Kinderarbeit gestartet, die Initiative "100 Million", in die international Jugendgruppen und Schulklassen eingebunden werden. Schätzungen zufolge leiden deutlich mehr als 100 Millionen Kinder und Jugendliche unter ausbeuterischer Kinderarbeit.

Füllkrug-Weitzel sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), Armuts- und Hungerbekämpfung sei eine "unablässige Sisyphos-Arbeit gegen immer neue Widerstände." Aktuell würden weltweit Handlungsspielräume eingeschränkt. "Das ist leider kein Minderheitsphänomen sondern betrifft immer mehr Länder." Mit "einem gigantischen Problem" rechnet sie künftig in Brasilien unter dem gewählten rechtsextremen Präsidenten Jair Bolsonaro. "Er hat schon angekündigt, dass er soziale Bewegungen ausradieren will. Unsere dortigen Partner haben Todesangst."



Minister Müller sagte den Hilfswerken der Kirchen zu, deren Förderung weiter auszubauen. Diese Organisationen seien auch deshalb so elementar wichtig, weil sie dorthin gehen könnten, wo staatliche Organisationen keinen Zugang hätten. Als Beispiel nannte er Syrien, wo er als Minister nicht hinkönne, die "Brot für die Welt"-Präsidentin hingegen in diesem Jahr schon dort gewesen sei.

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