"Black Friday": Massenhaft Schnäppchen oder Konsumverzicht

"Black Friday": Massenhaft Schnäppchen oder Konsumverzicht
Am sogenannten "Black Friday" (23.11.) scheiden sich die Geister: Während die einen auf die besten Schnäppchen des Jahres hoffen, üben sich die anderen im Verzicht und rufen zum "Kauf-Nix-Tag" auf.
22.11.2018
Christine Süß-Demuth
epd

Für den Kulturanthropologen Markus Tauschek von der Universität Freiburg sind das zwei Seiten einer Medaille. Sowohl beim Kauf-Nix-Tag als auch beim Black Friday gehe es immer um ein machtvolles Versprechen: "Du bist glücklicher, wenn du nichts oder eben mehr besitzt", sagte der Wissenschaftler am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Diese Behauptung scheine gut zu funktionieren. In beiden Fällen sehe man, wie der Umgang mit materieller Kultur moralisch aufgeladen sei. Zudem verrate der Besitz immer auch etwas darüber, wie die Menschen sich selbst sehen oder gesehen werden wollten. Besitz habe mit der "Konstruktion unserer Identität" zu tun, sagte Tauschek. Auch wer gezielt verzichte oder etwa Fairtrade-Produkte kaufe, erzeuge damit ein ganz spezifisches Image von sich selbst.



Die konsumkritische Haltung vieler Menschen habe dabei unterschiedliche Ursachen. Dabei könne es um Globalisierungskritik ebenso gehen wie um Reaktionen auf ökologische Probleme wie den Klimawandel, erklärte der Wissenschaftler. Eine weitere Form des Konsumverzichts sei der Minimalismus. Dieser habe oft mit einem bestimmten Lifestyle zu tun. In diesem Fall sei der Verzicht eine bewusste Entscheidung etwa aus ästhetischen Gründen und entstehe nicht aus einer Mangelsituation heraus, erklärte Tauschek.

Der "Black Friday" und der darauffolgende "Cyber Monday" zählen zu den umsatzstärksten Tagen des Jahres im Einzelhandel. Die Idee stammt aus den USA, wo Geschäfte am Tag nach dem US-Feiertag "Thanksgiving" mit großen Rabatten das Weihnachtsgeschäft starten. In Deutschland rechnet der Handelsverband Deutschland (HDE) in diesem Jahr an beiden Tagen mit einer Steigerung von 15 Prozent und einem Umsatz von 2,4 Milliarden. 1992 initiierte der kanadische Künstler Ted Dave den "Kauf-Nix-Tag" (Buy Nothing Day) als Tag der Konsumkritik und des bewussten Verzichts.