Papst: Kirche muss stärker auf junge Menschen zugehen

Papst: Kirche muss stärker auf junge Menschen zugehen
Papst Franziskus hat die Kirche zu Beginn der Jugendsynode im Vatikan aufgefordert, stärker auf junge Menschen zuzugehen. Die rund 260 teilnehmenden Bischofe rief er am Mittwoch bei der Eröffnungsmesse auf dem Petersplatz dazu auf, "Strukturen zu verändern, die uns heute lähmen, von der Jugend trennen und entfernen".  Sie dürften nicht der "Logik der Selbsterhaltung und Selbstbezogenheit" erliegen, sondern müssten einander und jungen Menschen offen und vorurteilsfrei zuhören.
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Die Kirche müsse heute das Prinzip "Das war immer so" aufgeben und jungen Menschen direkt ins Gesicht schauen, um zu sehen, in welchen Situationen sie sich befinden. In Erinnerung an ihre eigene Jugend zur Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) und an dessen Reformen gab er ihnen ein Zitat seines deutschen Lieblingsdichters Friedrich Hölderlin als Motto vor: "Dass dir halte der Mann, was er als Knabe gelobt."

Franziskus begrüßte bei der Messe ausdrücklich, dass erstmals auch zwei Bischöfe aus China anwesend waren. Ihre Teilnahme sei ein Zeichen für die Gemeinschaft zwischen den Oberhirten aus aller Welt und dem Papst. Bislang hatten die chinesischen Behörden katholischen Bischöfen die Ausreise zur Teilnahme an Synoden im Vatikan nicht gestattet.

Katholische Bischöfe aus aller Welt werden bei der Jugendsynode bis zum 28. Oktober im Vatikan über die Rolle junger Menschen in der Kirche beraten. Neben rund 260 Synodenvätern werden junge Menschen, Experten und Vertreter anderer Kirchen und Religionen ohne Stimmrecht an der Versammlung teilnehmen. Die Themen wurden auf Grundlage der Ergebnisse einer Online-Umfrage erarbeitet, an der sich weltweit rund 200.000 junge Menschen beteiligt haben.

In dem Arbeitspapier der Bischofsversammlung wird die Forderung junger Menschen nach einer "authentischen Kirche" betont. Vor dem Hintergrund von Missbrauchsskandalen sehen die Verfasser "ernsthafte und ernstzunehmende Gründe" für die wachsende Kirchenferne der jungen Generation. Ausdrücklich bezieht sich das Papier auf "Skandale sexueller und finanzieller Art", die Jugendliche veranlassen, die Kirche zu einer "Null-Toleranz-Haltung" aufzufordern. 

Angesichts der jüngsten Erkenntnisse über Missbrauch in der katholischen Kirche vor allem in Chile und den USA hatte es zuletzt Forderungen nach einer Absage der Synode gegeben. Vertreter von Opferverbänden warfen dem Papst zum Beginn der Synode in Rom vor, Missbrauch in der Kirche nicht entschieden genug zu bekämpfen.