"Ja zur religiösen Vielfalt": EKD präsentiert neue Position zum Islam

Religiöse Vielfalt in Deutschland ist erwünscht.

Foto: shutterstock

"Musliminnen und Muslime sind Teil der pluralen Gesellschaft Deutschlands", heißt es in dem präsentierten Text der EKD.

In einem neuen Positionspapier zum christlich-islamischen Dialog hat sich die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) zur religiösen Vielfalt in Deutschland bekannt.

Die Deutschen haben einer neuen Studie zufolge weiter ein gespaltenes Verhältnis zum Islam. Nach einer am Montag in Berlin veröffentlichten Umfrage des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) verneinen 54 Prozent der Bevölkerung, dass der Islam in die deutsche Gesellschaft passt. Gleichzeitig sagt eine Mehrheit von 69 Prozent, dass die Muslime zum Alltagsleben gehören. Es scheint, als halte es ein Großteil der Bevölkerung wie Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), der mit seinen Aussagen über den Islam kurz nach Amtsantritt für Diskussionen sorgte. Der Islam gehöre nicht zu Deutschland, selbstverständlich täten es aber die hierzulande lebenden Muslime, sagte er im März.

Für die Studie haben die Forscher im August gut 2.000 repräsentativ ausgewählte Personen befragt. Sie zeigt das ambivalente Verhältnis der Deutschen zum Islam. 56 Prozent der Befragten lehnen islamischen Religionsunterricht an deutschen Schulen ab. 42,5 Prozent hätten dagegen nichts gegen einen muslimischen Bürgermeister in der Gemeinde.

Akzeptanz für den Islam wächst

Die Umfrage zeigt auch, dass die Akzeptanz für den Islam wächst, wenn die Befragten selbst Kontakt zu Muslimen haben. So sagen 21 Prozent derjenigen, die keinen Kontakt haben, der Islam passe zu Deutschland. Bei denjenigen, die Kontakt haben, sind es immerhin 42 Prozent - damit aber auch eine Minderheit. Dass die Muslime zu Deutschland gehören, finden hingegen auch 59 Prozent derjenigen, die selbst keinen Kontakt zu diesen Gläubigen haben.

Zusammen mit der Studie stellte die EKD auch ein neues Positionspapier zum christlich-islamischen Dialog vor, in dem sie auch selbstkritisch auf die Vergangenheit zurückblickt. Die evangelische Kirche habe sich lange Zeit schwer getan mit der Anerkennung religiöser Pluralität, heißt es. Heute betont sie: "Musliminnen und Muslime sind Teil der pluralen Gesellschaft Deutschlands." Es sei inzwischen "christliche Überzeugung", "dass der christliche Glaube nur vertreten werden kann, wenn das Recht anderer Überzeugungen anerkannt wird".

Es gehe nicht zusammen, den christlichen Glauben zu haben und andere Religionen zu unterdrücken, sagte der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), Markus Dröge, bei der Vorstellung des Papiers. Eine Distanzierung vom Papier "Klarheit und gute Nachbarschaft" ist das neue Positionspapier nach seinen Worten nicht. Die 2006 veröffentlichte Handreichung hatte für Irritationen im christlich-islamischen Dialog gesorgt, weil sie deutlich forderte, auch Probleme bei der Integration nicht auszublenden. Den Wert, auf Probleme hinzuweisen, habe das Papier bis heute, sagte Dröge.

Vertreter der EKD treffen sich in unregelmäßigen Abständen mit Vertretern des Koordinationsrats der Muslime in Deutschland, in dem sich die vier größten Verbände zusammengeschlossen haben. Darunter ist auch der größte deutsche Moschee-Verband Ditib, der eng verbunden ist mit der türkischen Religionsbehörde. Was vom Staat spätestens seit dem Putschversuch in der Türkei schwierig gesehen wird, erschwert auch in der evangelischen Kirche den Dialog. Die aktuellen Entwicklungen hätten negativen Einfluss, heißt es im Papier. Dröge sprach von einer "Beeinträchtigung des Vertrauens". Trotzdem wolle die EKD eine "gewisse Gesprächsebene" halten, der Dialog sei aber zurückgenommener.

Der Umfrage zufolge befürworten die Deutschen das Bemühen der Kirche um den interreligiösen Dialog. Ein Viertel der Befragten findet, die Protestanten sollten den Dialog verstärken, 39 Prozent sind dafür, ihn wie bisher beizubehalten. Wichtigstes Ziel ist in den Augen der Befragten, damit den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Eine Mehrheit von 64 Prozent findet, dass im Dialog vor allem soziale Fragen besprochen werden sollen.