TV-Tipp: "Tatort: Die robuste Roswita" (ARD)

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TV-Tipp: "Tatort: Die robuste Roswita" (ARD)
26.8., ARD, 20.15 Uhr
"Die Fette Hoppe" hieß der erste Fall, den das Ehepaar Lessing und Dorn (Christian Ulmen, Nora Tschirner) im Dezember 2013 in Weimar zu lösen hatte. Der Titel war keineswegs als Verunglimpfung gemeint, denn die Fette Hoppe war eine in Thüringen überaus beliebte Wurst. Ähnlich verhält es sich mit der "Robusten Roswita". Es gibt zwar eine Frau gleichen Namens, doch der Titel bezieht sich auf eine Kartoffelsorte, denn die Handlung dreht sich um eine Kloßmanufaktur.

Klöße sind neben Wurst "das zweite große Ding in Thüringen". Es geht aber auch um Klos, und wer eine Strichliste über die Wortspiele und Kalauer rund um den Themenkomplex Klos und Klöße führen möchte, hat viel zu tun. Anders als in einigen früheren Krimis aus Weimar nehmen die Sprüche diesmal jedoch nicht überhand. Das Drehbuch stammt erneut vom Duo Andreas Pflüger und Murmel Clausen, das mit Ausnahme von "Der kalte Fritte" (nur Clausen) alle "Tatort"-Episoden mit Dorn und Lessing gemeinsam geschrieben hat. Die diesmal wieder besser funktionierende Mischung aus Heiterkeit und Krimispannung könnte auch mit dem Regisseur zu tun haben: Richard Huber ("Club der roten Bänder") hat schon vor gut zehn Jahren in der Grimme-preisgekrönten Serie "Dr. Psycho" (mit Ulmen in der Titelrolle) sowie mit "Kreutzer kommt" (beide ProSieben) bewiesen, wie gut er Krimi und Komödie kombinieren kann. "Die robuste Roswita" ist nach "Der irre Iwan" (2015) seine zweite Regie beim "Tatort" aus Weimar.

Wie stets müssen der neunmalkluge Lessing und seine bodenständige Frau einen Fall aufklären, der recht grotesk ist. Tatsächlich dürfte es sich beim gewaltsamen Ableben von Kloßfabrikant Hassenzahl um eine Premiere im deutschen Fernsehen handeln. Der Firmenchef ist granuliert worden: Sein Mörder hat ihn in die riesige Maschine geworfen, in dem die Kartoffeln erst schockgefrostet und dann zerkleinert werden, damit sie anschließend zu Klößen geformt werden können. Aber das ist nur die eine Seite der Geschichte. Nicht weniger aberwitzig ist die andere mit der vermeintlichen Titelheldin: Vor sieben Jahren ist Hassenzahls Frau Roswita spurlos verschwunden. Kommissariatsleiter Stich (Thorsten Merten) ist bis heute überzeugt, Hassenzahl habe die Gattin, der das Unternehmen gehörte, gemeinsam mit seiner Vorarbeiterin und Geliebten (Christina Große) umgebracht, konnte den beiden die Tat aber nie nachweisen. Die Prolog erzählt, wie’s wirklich war, was sich allerdings erst im Nachhinein erschließt: Roswita (Milena Dreissig) hat damals das Gedächtnis verloren und ist im Wald von Pilzsammler und Sanitärreiniger Schnecke (Nicki von Tempelhoff) aufgelesen worden. Seither leben der ehemalige Trickbetrüger und die frühere Kloßkönigin in einträchtiger Liebe als Klomann und Klofrau zusammen; er nennt sie in Anspielung ans Dschungelbuch "Mogli". Kompliziert wird die Geschichte, als auch noch ein Kartoffelbauer (Jörn Hentschel) und die Chefeinkäuferin (Anne Schäfer) einer Supermarktkette ins Spiel kommen. Die beiden sind Teil eines Komplotts und zeigen zum Finale, wie nahe Liebe und Tod beieinander liegen; Pflüger und Clausen nutzen die Gelegenheit für eine Hommage an den Comedy-Klassiker "Der Hofnarr" mit Danny Kaye (1955).

Von kleinen Einschüben dieser Art abgesehen bleibt "Die robuste Roswita" dem Muster der bisherigen Episoden aus Weimar treu. Das ist zwar konsequent, aber der Überraschungseffekt des ersten Films, als diese Farbe für den "Tatort" noch neu war, ist natürlich schon lange dahin. Die Dialogduelle zwischen Ulmen und Tschirner sind nach wie vor amüsant, wirken mittlerweile aber auch etwas routiniert, zumal sie ebenfalls nach dem immergleichen Schema ablaufen: Lessing ist eine wandelnde Enzyklopädie und kann sein umfangreiches Wissen nur ganz schlecht für sich behalten, weshalb Frau Dorn mitunter ein bisschen genervt ist. Trotzdem macht es natürlich Spaß, den beiden zuzuschauen, weil es gerade Tschirner unnachahmlich gelingt, ihre Kalauer ("Moglipackung") knochentrocken vorzutragen. Außerdem sind die weiteren Mitglieder des Ensembles adäquate Ergänzungen. Das gilt vor allem für Milena Dreissig, die die einstige Kloßkönigin, deren Erfindung vom "Soßkloß" keine gebührende Würdigung gefunden hat, mit einer aparten Mischung aus Verhuschtheit und neu gewonnenem Selbstbewusstsein versieht. Sehenswert ist "Die robuste Roswita" nicht zuletzt wegen der irrwitzigen Wendungen, die die absurde Geschichte immer wieder nimmt.