Kofi Annan im Alter von 80 Jahren gestorben

Der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan ist tot.

epd-bild/Friedrich Stark

Der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan sei nach kurzer Krankheit friedlich eingeschlafen, erklärte seine Stiftung in Genf.

Fast zehn Jahre stand er an der Spitze der Vereinten Nationen, machte die Weltgemeinschaft fit fürs 21. Jahrhundert und kämpfte unermüdlich für Frieden und gegen Armut. Jetzt ist Kofi Annan im Alter von 80 Jahren gestorben.

Der Tod von Kofi Annan hat weltweit Trauer ausgelöst. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier lobte den ehemaligen UN-Generalsekretär als sanften, aber hartnäckigen Kämpfer für Frieden und Menschenrechte. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte, mit seinen Ideen, seinen aufrechten Überzeugungen und seinem Charisma habe Annan sie und viele andere inspiriert. In der heutigen Zeit, in der die gemeinsame Suche nach Lösungen globaler Probleme dringender sei als je, werde seine Stimme sehr fehlen.

Inspiration für Viele

Annan war nach Angaben seiner Stiftung in Genf am Samstag nach kurzer Krankheit im Kreis seiner Familie gestorben. Der Friedensnobelpreisträger wurde 80 Jahre alt. Er hinterlässt seine Frau Nane und die drei Kinder Ama, Kojo und Nina. Sie hatten Annans letzte Tage mit ihm in einem Berner Krankenhaus verbracht.

Vorreiter für das Gute

UN-Generalsekretär António Guterres würdigte seinen Vorgänger als einen Vorreiter für das Gute. "In diesen turbulenten und schwierigen Zeiten hat er immer weiter daran gearbeitet, die Werte der UN-Charta mit Leben zu erfüllen." Sein Vermächtnis werde eine wahrhafte Inspiration für alle bleiben.

Annan war am 8. April 1938 im späteren Ghana geboren worden. Seine Eltern stammten aus einer langen Linie traditioneller Herrscher. Der ghanaische Präsident Nana Akufo-Addo nannte Annan "einen unserer größten Landsmänner". Er ordnete an, die Flaggen im ganzen Land und vor Ghanas Botschaften weltweit von Montag an für eine Woche auf Halbmast zu hängen.

Inbegriff menschlichen Anstands und Würde

Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Seid Ra'ad al-Hussein, lobte Annan als Inbegriff menschlichen Anstands und Würde. "In einer Welt voller Anführer, die weder das eine noch das andere repräsentieren, wird der Verlust für die Welt nur noch schmerzlicher."

Annan hatte 1962 seine Diplomatenkarriere begonnen. 1996 wählte ihn die UN-Vollversammlung auf Betreiben der USA als Nachfolger von Boutros Boutros-Ghali zum siebten UN-Generalsekretär. 2001 wurde Annan gemeinsam mit den UN der Friedensnobelpreis verliehen. Der Irakkrieg 2003 entfremdete Annan mit der US-Regierung unter George W. Bush. 2006 endete Annans Amtszeit.

Völkermord in Ruanda 1994 war seine größte Niederlage

Nach seiner Pensionierung lebte Annan nahe seiner Wahlheimat Genf und engagierte sich über seine Stiftung weiterhin für Frieden in der Welt. 2008 vermittelte er erfolgreich nach schweren Unruhen in Kenia. Den Versuch, im Syrienkrieg zu vermitteln, gab er im August 2012 nach nur wenigen Monaten auf und sprach von einer "unmöglichen Mission". Als größte Niederlage seiner Karriere gilt der Völkermord in Ruanda 1994, den der damalige Untergeneralsekretär für die Friedenseinsätze nicht verhindern konnte.



Trotz aller Widerstände habe Annan in seinem Ringen um Frieden nicht nachgelassen, betonten zahlreiche Politiker und Wegbegleiter. Viele hoben Annans unerschütterlichen Optimismus sowie die wertvollen Gespräche hervor, die sie mit ihm geführt hätten. "Im Ringen um die multilaterale Ordnung unserer Welt wusste ich Kofi Annan stets an unserer Seite", betonte Bundespräsident Steinmeier. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU), der sich zuletzt vor wenigen Monaten in Berlin mit Annan getroffen hatte, nannte ihn einen großen Visionär und Vorkämpfer für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hob das bewundernswerte Geschick, den Mut und die Ausdauer Annans hervor. "Wie kaum ein anderer Generalsekretär gab Kofi Annan den Vereinten Nationen ein Gesicht als Friedensmacht und moralische Referenz." Annan habe durch sein Wirken deutlich gemacht, wie sehr die kollektiven Interessen aller Völker und die jedes einzelnen Staats sich überschnitten, erklärten die Fraktionsvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter.