Ökumene-Bischof: "Stellvertreterkrieg" bei Kommunions-Öffnung denkbar

Der Magdeburger Bischof unterstreicht die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit zwischen Katholiken und Protestanten.

Foto: epd-bild/Viktoria Kühne

Die katholische Deutsche Bischofskonferenz, bei der Gerhard Feige Vorsitzender der Ökumene-Kommission ist, hatte beschlossen, eine pastorale Handreichung für das Abendmahl von Ehepaaren unterschiedlicher Konfession auf den Weg zu bringen.

Ökumene-Bischof: "Stellvertreterkrieg" bei Kommunions-Öffnung denkbar
Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige hat die geplante Handreichung der katholischen Deutschen Bischofskonferenz zur Öffnung der Kommunion für protestantische Ehepartner abermals verteidigt. "Kaum anderswo ist der Anteil der konfessionsverschiedenen Ehepaare mit etwa 40 Prozent so groß wie in Deutschland. Sollen wir davor etwa die Augen verschließen?", sagte der Ökumene-Bischof der Bischofskonferenz der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Montag).

Warum der Papst die deutschen Bischöfe noch im Mai dazu aufgefordert hatte, eine einmütige Lösung zu finden, und der Vatikan die geplante seelsorgerliche Handreichung der deutschen Bischofskonferenz wenige Wochen später mit Verweis auf die Bedeutung des Themas für die Universalkirche stoppte, könne er sich nicht erklären, sagte Feige. "Ob und wie stark andere Bischofskonferenzen Kritik geäußert haben, weiß derzeit nur Rom alleine", betonte der Bischof. Auch eine "Art Stellvertreterkrieg" schließt er nicht aus: "Man prügelt auf die deutschen Bischöfe ein und meint den Papst, der sich erst einmal schützen will."

Feige äußerte Unverständnis dafür, dass die von einer großen Mehrheit der deutschen Bischöfe getragene pastorale Lösung für Einzelfälle offenbar keinen Rückhalt im Vatikan findet. "Dass wir jetzt unsere Kompetenzen überschritten haben sollten, will sich mir nicht erschließen", erklärte der Theologe. "Allerdings scheint es immer wieder ein probates Mittel zu sein, die 'Weltkirchenkeule' einzusetzen, wenn man Veränderungsbemühungen am Ort verhindern will."

Verbitterung und Resignation

Bereits Anfang Juni hatte der Vorsitzende der Ökumene-Kommission der Bischofskonferenz erklärt, Verbitterung und Resignation machten sich breit, nachdem der Papst seinen Auftrag, bei der Öffnung der Kommunion für protestantische Ehepartner eine möglichst einmütige Regelung zu finden, nun offensichtlich wieder rückgängig gemacht habe.  

Ende Februar hatte die katholische Deutsche Bischofskonferenz mit mehr als Drei-Viertel-Mehrheit beschlossen, eine pastorale Handreichung für das Abendmahl von Ehepaaren unterschiedlicher Konfession auf den Weg zu bringen. Sieben Bischöfe unter Führung des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki wandten sich daraufhin mit einem Brief an den Vatikan. Sie bezweifeln, ob eine nationale Bischofskonferenz über die Frage des Kommunionempfangs konfessionsverschiedener Ehepartner entscheiden darf. In einem Brief der Glaubenskongregation wurde die Handreichung Anfang Juni als noch nicht reif zur Veröffentlichung gestoppt. Bislang sind Protestanten in der Regel nicht zur katholischen Kommunion zugelassen.

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