Ein Jahr liberale Moschee in Berlin: Gründerin Ates zufrieden

Seyran Ates

Foto: Stefan Arend

Seyran Ates

Ein Jahr nach Gründung einer liberalen Moschee in Berlin zeigt sich Initiatorin Seyran Ates zufrieden: "Im Großen und Ganzen ist es eine Erfolgsgeschichte", sagte die 55-jährige Rechtsanwältin der evangelischen Berliner Wochenzeitung "die Kirche" (Ausgabe vom 24. Juni).

Es gebe zwar nach wie vor Anfeindungen, Gesellschafter seien ausgetreten und es hapere noch bei der finanziellen Unterstützung. Aber sie wolle "nicht jammern, so geht das halt vor sich". Bei dem acht Jahre lang vorbereiteten Projekt sei letztlich alles so eingetreten, wie sie es sich vorgestellt habe. Für die Umsetzung solcher Ideen brauche es einen langen Atem.

Die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee war Mitte Juni 2017 gegründet worden. In der Moschee in einem Raum einer evangelischen Kirchengemeinde im Stadtteil Moabit dürfen Frauen und Männer, Sunniten, Schiiten und Aleviten gemeinsam beten. Die Moschee steht für einen säkularen liberalen Islam und grenzt sich damit vom türkisch-islamischen Moscheeverband Ditib ab, der wegen seiner Nähe zum türkischen Staat in der Kritik steht.

Die in Istanbul geborene Frauenrechtlerin Ates hat wegen der Moscheegründung auch Morddrohungen über soziale Medien erhalten und wird rund um die Uhr von Personenschützern bewacht. Ates war 1984 in West-Berlin wegen ihres Engagements für zugewanderte Frauen bereits Opfer eines Attentats und hatte dabei lebensgefährliche Verletzungen erlitten.