Der Papst in Genf beim Weltkirchenrat

Lagerdenken in der Ökumene überwinden
Der Besuch desPapstes gilt als ein Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 70-jährigen Bestehen des Ökumenischen Rates des Kirchen.

Foto: epd-bild/Vatican Media/Romano Siciliani

Der Generalsekretaer des Weltkirchenrats, Olav Fykse Tveit begrüsst Papst Franziskus in Genf.

Es ist ein historischer Moment: Nach seinen Vorgängern Paul VI. und Johannes Paul II. hat Papst Franziskus am Donnerstag den Weltkirchenrat in Genf besucht. Dort äußerte er seinen Wunsch nach Einheit der christlichen Kirchen.

Papst Franziskus hat bei einem gemeinsamen Gebet mit Vertretern des Weltkirchenrats (ÖRK) in Genf zur Überwindung des Lagerdenkens in der Ökumene aufgerufen. "Es war mein Wunsch, als Pilger auf der Suche nach Einheit und Frieden hierherzukommen", sagte er am Donnerstag bei seinem Besuch anlässlich des 70-jährigen Bestehens des ökumenischen Dachverbands. Es ist der erste Besuch eines Papstes beim Weltkirchenrat seit mehr als drei Jahrzehnten.

Spaltungen unter den Christen führte das Kirchenoberhaupt auf "Eigeninteressen der Gemeinschaften" zurück. Diese seien oftmals eng an ethnische Zugehörigkeiten und an Vorstellungen von konservativem oder fortschrittlichem Denken gebunden. Angesichts dieser Tendenzen ermahnte er die Christen in seiner Predigt dazu, "zum Herrn zu gehören, bevor man rechts oder links ist". Auch Versuche des ökumenischen Dialogs seien in der Vergangenheit häufig an einer weltlichen Logik gescheitert, die die Interessen der eigenen Gemeinschaft vor den Gehorsam gegenüber den christlichen Geboten gestellt habe.

Papst Franziskus nimmt an einem ö†kumenischen Gebet teil.

Angesichts der bestehenden Hindernisse auf dem Weg zur vollen Einheit der Kirchen beklagte der Papst, die Ökumene-Partner verharrten häufig auf ihren angestammten Positionen. "Zu oft bleiben wir vom Pessimismus niedergedrückt im Aufbruch strecken." Bereits jetzt bestünden viele Gemeinsamkeiten zwischen den Konfessionen, betonte Franziskus unter Hinweis auf Gebete, Evangelisierung und den Dienst an anderen Menschen.

Anders als bei anderen Ökumene-Treffen, etwa in der evangelisch-lutherischen Christuskirche in Rom 2015, erwähnte er Möglichkeiten für die Teilnahme von Nicht-Katholiken an der katholischen Kommunion in Genf nicht. In Deutschland hatte zuletzt ein Schreiben aus dem Vatikan bei vielen die Hoffnungen auf eine baldige Öffnung der Kommunion für protestantische Ehepartner gedämpft.

Jubel für den Pontifex

Dem Weltkirchenrat gehören 348 protestantische, anglikanische, orthodoxe und altkatholische Kirchen sowie Freikirchen mit rund 550 Millionen Christen an. Die römisch-katholische Kirche, die an die 1,4 Milliarden Gläubigen vereint, arbeitet jedoch seit Ende der 1960er Jahre in wichtigen Gremien mit.

Der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, Olav Fykse Tveit, schloss das Oberhaupt der Katholiken am Donnerstag zur Begrüßung in die Arme. Die Mitarbeiter des Rates empfingen den Pontifex mit Jubel.

Der Besuch des Oberhauptes der katholischen Kirche gilt als ein Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 70-jährigen Bestehen des Ökumenischen Rates des Kirchen, der 1948 in Amsterdam gegründet wurde. Vor Franziskus empfing der Weltkirchenrat nur zwei Päpste: Paul VI. machte der Ökumene-Zentrale 1969 seine Aufwartung und Johannes Paul II. 1984.

Auf dem dicht getakteten eintägigen Programm des Papstes standen neben dem Treffen mit ÖRK-Repräsentanten eine öffentliche Messe, zu der Zehntausende Menschen erwartet wurden. Aus diplomatischen Kreisen wurde beanstandet, dass Franziskus nicht vor dem Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen sprach. Das oberste internationale Gremium zum Schutz der Menschenrechte tagt bei den UN in Genf.