Ethik-Experte: Soziale Medien haben Kommunikation verändert

"Digitales und Ethik - Wo bleibt der Mensch in dem ganzen Digitalen?", wurde heute bei einer Diskussionsrunde der hannoverschen Landeskirche auf der Cebit gefragt.

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Die sozialen Medien haben das Kommunikationsverhalten der Menschen verändert.

"Digitales und Ethik - Wo bleibt der Mensch in dem ganzen Digitalen?", wurde heute bei einer Diskussionsrunde der hannoverschen Landeskirche auf der Cebit gefragt. Geantwortet haben unter anderem ein Ethik-Experte, ein Kommunikationswissenschaftler und ein Medienjournalist.

Die sozialen Medien haben aus Sicht des evangelischen Oberkirchenrates und Ethik-Experten Ralph Charbonnier das Kommunikationsverhalten der Menschen verändert.

Ralph Charbonnier von der Evangelischen Kirche in Deutschland.
"Die Verrohung von Kommunikation und das Erstarken des Populismus haben auch damit zu tun, dass die sozialen Medien eine bestimmte Art von Kommunikation befördern", sagte Charbonnier am Mittwoch auf der Computermesse Cebit in Hannover. Bei einer Kommunikation von Mensch zu Mensch bekomme der Sprecher die Reaktion des anderen mit. Soziale Medien wie Twitter oder Facebook führten dazu, "dass ich etwas raushaue, ohne eine Reaktion zu bemerken".

Charbonnier warnte jedoch vor Schwarz-Weiß-Malerei. Als im Mittelalter der Buchdruck erfunden worden sei, habe es auch "Shitstorms" gegeben durch gedruckte Bilder. "Wir müssen die jeweiligen Medien kulturell einfangen, dass wir damit gut leben können", betonte der Theologe. Ein wichtiges Kriterium sei dabei die Selbstbestimmung des Menschen. Charbonnier begrüßte es, dass es auch an Hochschulen inzwischen eine breite Diskussion über die ethischen Aspekte in der Entwicklung der Informationstechnologie gebe.

Der Theologe ist als Oberkirchenrat bei der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zuständig für Sozial- und Gesellschaftspolitik. Er sprach bei einer Diskussionsrunde der hannoverschen Landeskirche auf der Cebit zum Thema "Digitales und Ethik - Wo bleibt der Mensch in dem ganzen Digitalen?" Der Kommunikationswissenschaftler Christoph Klimmt zeigte sich im Blick auf die digitale Zukunft optimistisch. Zwar hätten sich in der digitalen Welt die Medien und die Kommunikation verändert: "Aber weder die Bedürfnis- noch die Charakterstrukturen der Menschen haben sich geändert."

Jonas Bedford-Strohm
Die empirische Forschung habe gezeigt, dass Videospiele mit Gewalteffekten, abgesehen von gewissen Risikogruppen, für die Nutzer längst nicht so dramatische Folgen hätten wie befürchtet, erklärte Klimmt, der am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover lehrt und auf Computerspiele spezialisiert ist. "Wenn man empirisch schaut, kann man sich Optimismus gut leisten."

Der Medienjournalist Jonas Bedford-Strohm vom Bayerischen Rundfunk sagte, dass sich der analoge Alltag und die digitale Welt in vielen Dingen ähnelten. Wenn ihn am Morgen die Bäckerin freundlich begrüße und ihn frage, ob er wieder so viele Brötchen kaufen wolle wie beim letzten Mal, so habe sie erstens sein Gesicht und zweitens seinen letzten Einkauf gespeichert. "Aber wenn das digital passiert, rufen alle plötzlich 'Ethik Ethik Ethik'!"