Prognose: Iren für Legalisierung der Abtreibung

Bei einem Referendum haben sich die Iren laut Prognosen mit deutlicher Mehrheit für die Abschaffung des strengen Abtreibungsverbots ausgesprochen. Einer Nachwahlbefragung der "Irish Times" zufolge votierten 68 Prozent für eine Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen, 32 Prozent stimmten dagegen. Im Auftrag der Zeitung waren mehr als 4.500 Wähler nach dem Verlassen der Wahllokale befragt worden. Ein amtliches Ergebnis des Referendums wird für den Samstagnachmittag erwartet.

Am Freitag waren die Iren aufgerufen, über den achten Zusatz zur Verfassung abzustimmen. Ihm zufolge ist das Lebensrecht des ungeborenen Kindes ebenso wertvoll wie das der Mutter. Das irische Recht sah deshalb Abtreibungen bisher auch in Fällen von Vergewaltigung, Inzest und bei schweren Missbildungen des Ungeborenen nicht vor. Nur wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist, sind seit 2013 Ausnahmen möglich.

Für den Fall, dass die Wähler bei dem Referendum für die Abschaffung des achten Verfassungszusatzes stimmen, plant die Regierung eine Gesetzesinitiative, wonach eine Abtreibung in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen erlaubt ist. Wenn die Gesundheit der Mutter in Gefahr ist oder das ungeborene Kind eine tödliche Anomalie hat, soll ein Schwangerschaftsabbruch bis zur 23. Woche möglich sein.



Bislang gehören die gesetzlichen Vorgaben Irlands zur Abtreibung zu den strengsten der Welt. Nach einem Bericht des "Guardian" lassen jährlich rund 3.500 Frauen einen Schwangerschaftsabbruch außer Landes vornehmen, weitere geschätzte 2.000 Frauen greifen demnach illegal auf Abtreibungspillen zurück. In diesem Fall drohen jedoch bis zu 14 Jahre Haft. Der achte Verfassungszusatz war 1983 per Referendum in dem vorwiegend katholischen Land eingeführt worden.