Weiterer Bombenanschlag in Indonesien

Bekenntnis zu religiösen Minderheiten vom Staat gefordert
Anschalg auf Polizei-Hauptquartier in Surabaya

Foto: Achmad Ibrahim/AP/dpa

Polizisten sperren nach einem Anschlag auf das Polizei-Hauptquartier der Großstadt eine Straße ab. Einen Tag nach den tödlichen Selbstmordattentaten auf christliche Kirchen ist das Polizei-Hauptquartier zum Anschlagsziel geworden.

Nach Angriffen auf Kirchen und Institutionen durch mutmaßliche Islamisten in Indonesien fordern Politik und Menschenrechtler einen besseren Schutz von Minderheiten. Ihre Lage könnte sich vor den Wahlen 2019 noch verschlechtern.

Am Tag nach den Anschlägen auf drei Kirchen in Indonesien hat es einen weiteren Angriff gegeben, dieses Mal auf eine Polizeizentrale. Dabei seien in der Großstadt Surabaya auf der Insel Java die vier Angreifer ums Leben gekommen und zehn Menschen verletzt worden, darunter ein achtjähriges Mädchen, wie ein Polizeisprecher am Montag erklärte. Das Kind habe auf einem der Motorräder der Attentäter gesessen. Die Bundesregierung verurteilte den Bombenanschlag. Die Grünen-EU-Politikerin Barbara Lochbihler warnte davor, dass sich die Stimmung im Land vor den Wahlen 2019 weiter aufheizen könnte.

Bei den Tätern handelt es sich vermutlich auch in diesem Fall um Mitglieder einer einzigen Familie mit Verbindungen zum sogenannten Islamischen Staat (IS). Bereits die Anschläge auf die Kirchen am Sonntag waren laut Polizeichef Tito Karnavian von einer Familie verübt worden, die einer lokalen, IS-nahen Gruppierung namens Jamaah Ansharut Daulah angehörten. Mindestens 13 Menschen wurden dabei getötet, mehr als 40 verletzt. Der IS hatte sich zu den Attentaten bekannt.

Religiösen und ethnischen Zugehörigkeiten für politische Zielen missbraucht

Indonesiens Präsident Joko Widodo bezeichnete die Anschlagsserie im indonesischen Fernsehen als einen "Akt von Feiglingen". Landesweit wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft.

Der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, sagte, die Angriffe auf Kirchen in Surabaya zeigten, wie bedroht Christen in vielen Ländern der Welt seien. Für Deutschland bleibe es eine Aufgabe und auch ein Grundwert der Außenpolitik, "für das Lebensrecht der christlichen Gemeinden in aller Welt und für den Schutz der Religionsfreiheit einzutreten".

Die Europaabgeordnete Barbara Lochbihler (Grüne), verwies darauf, dass Angriffe auf eine Minderheit auch immer weitere Minderheiten gefährdeten. "Die Gegner einer religiösen Gruppe greifen auch auf andere religiöse, ethnische oder sexuelle Minderheiten an", sagte sie dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die religiösen und ethnischen Zugehörigkeiten würden für politische Zielen missbraucht. "Ich nehme an, das wird sich im Vorfeld der Wahlen im April 2019 noch zuspitzen."

Auf solche Anschläge müsse konsequent, aber auch besonnen reagiert werden, sagte Lochbihler. "Die Regierung muss die verschiedenen Ethnien schützen und sich überlegen, wie sie verhindern kann, dass sich noch mehr Personen radikalisieren." Die Radikalisierung geschehe beispielsweise in nicht-transparenten Bildungseinrichtungen und in Gefängnissen. "Mit mehr Militär kann man nur kurzfristig etwas richten", betonte Lochbihler. "Aber die abgedrifteten Personen erreicht man damit nicht."
 
Indonesien ist das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung weltweit. Etwa 88 Prozent der über 260 Millionen Einwohner bekennen sich zum islamischen Glauben, die meisten sind moderat. Allerdings erlebt das Inselreich seit Jahren eine Zunahme fundamentalistischer Strömungen. Zuletzt wurde verstärkt darüber debattiert, welche Gefahr von lokalen Gruppierungen mit Verbindungen zum IS ausgehen könnte. Neun Prozent der Bevölkerung sind Christen.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker erklärte, der indonesische Staat müsse sich klar zu seinen religiösen Minderheiten bekennen. "Wer Christen wirksam vor neuer Gewalt schützen will, muss ganz deutlich zeigen, dass sie ihren Glauben frei ausüben dürfen - genauso wie auch Ahmadiyyah, Bahai'i und Hindus", sagte der Direktor der Organisation, Ulrich Delius. Dazu müsse Indonesien seine Säkularität als Staat stärker betonen.