"Tote Fliegen verderben gute Salben"

Bibelserie: Insekten. Heuschreckenplage in Ägypten.

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Heuschrecken sind die achte Plage, die Gott dem verstockten Pharao schickt.

"Tote Fliegen verderben gute Salben"
Texte zu "Insekten" in der Bibel
Auch in der Bibel krabbelt und kribbelt, summt und sticht es.

Läuse und Flöhe

2 Mose 8,12-15; 1 Samuel 24,15

Das ist Stoff für einen Horrorfilm: Jedes Staubkorn der Erde wird zu einer Laus. Rasend schnell befallen die stechenden Insekten alle Menschen und Tiere. Hat die Bibel recht, erlebten die alten Ägypter genau diesen Krabbelhorror. Mose möchte, dass der Pharao die Israeliten ziehen lässt, die in den Steinbrüchen Ägyptens Sklavendienste verrichten müssen. Als sich der Pharao weigert, überzieht Gott das Land mit zehn Plagen. Die Läuse sind eine davon . Erst nach der zehnten Plage ist der Pharao weichgekocht und bittet Mose und sein Volk: "Macht euch auf und zieht weg, ihr und die Israeliten.

Auch andere stechende Winzlinge piesakten die Menschen im alten Orient: Flöhe. "Wem jagst du nach?" fragt David einmal seinen Vorgänger König Saul: "einem einzelnen Floh!"

Zitat: "Und es kamen Läuse (Mücken) und setzten sich an die Menschen und an das Vieh; aller Staub der Erde ward zu Läusen (Mücken)."

Mücken

2 Mose 8,16-28; Matthäus 23,24

"Stechfliegen" nennt die Lutherbibel die Mücken. Sie sind im Alten Orient weit verbreitet, vermehren sich besonders in der Regenzeit. Lästig sind sie sowieso – zudem gefährlich, weil bestimmte Arten die Malaria übertragen, auch schon damals. So ist verständlich, dass Gott dem ägyptischen Volk auch eine Mückenplage schickt. Jesus spricht von Mücken, als er die Pharisäer der Unwahrhaftigkeit bezichtigt. Er redet davon, dass sie Mücken abseihen – damit meint er das Verfahren, bei dem Wein gefiltert und so von einer Fliegenart gereinigt wird, die die Trauben befällt.

Zitat: "Ihr verblendeten Führer, die ihr Mücken aussiebt, aber Kamele verschluckt!"

Heuschrecken

2 Mose 10,1-20; Sprüche 30,27; Offenbarung 9,3.7

Heuschrecken sind die achte Plage, die Gott dem verstockten Pharao schickt. Riesige Schwärme fallen über Ägypten her und vernichten die Ernte. Auch in Israel sind Heuschrecken eine gefürchtete Plage. Der weise König Salomo zählt die Heuschrecken zu den klügsten kleinen Geschöpfen auf Erden: "Sie haben keinen König, dennoch ziehen sie aus in Ordnung." Für das Ende aller Zeiten prophezeit der Seher Johannes in der Offenbarung, dass aus dem apokalyptischen Rauch Heuschrecken mit Menschengesichtern erscheinen, die die Macht auf der Erde übernehmen – ein Hinweis auf die rücksichtslosen Finanzjongleure unserer Tage?

Zitat: "Die Heuschrecken sahen aus wie Rosse, die zum Krieg gerüstet sind."

Motten

Hiob 13,28; Jesus Sirach 42,13; Matthäus 6,19; Jakobus 5,2

Motten zerfraßen schon die Kleider der Israeliten. Seine eigene Sterblichkeit beschreibt Hiob mit den Worten "der ich doch wie ein Kleid vergehe, das die Motten fressen". Als Frauenfeind entlarvt sich Jesus Sirach: "Denn wie aus den Kleidern Motten kommen, so kommt von Frauen viel Schlechtigkeit." Im Neuen Testament dient das Bild des Mottenfraßes dazu, die Vergänglichkeit des Reichtums zu illustrieren. Der Jakobusbrief malt den Reichen ihr düsteres Schicksal vor Augen: "Eure Kleider sind von Motten zerfressen!"

Zitat: "Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen"

Fliegen

Jesaja 7,18; Judit 10,21; Prediger 10,1

Fliegen nerven. Dass wissen auch die Menschen biblischer Zeiten. Einige spannen sich Netze über ihre Sitze oder Betten. In manchen Gebieten gibt es so viele Fliegen, dass sie Medikamente verderben. Der Prophet Jesaja bezeichnet die feindlichen Ägypter als Fliegen, die Gott aus dem Nildelta "herbeipfeifen" wird. Auch Maden sind bekannt, die Aas zersetzen: "Wenn der Mensch tot ist, so fressen ihn Maden und Würmer."

Zitat: "Tote Fliegen verderben gute Salben."

Bienen

2 Mose 33,3; Richter 14,8-18; 1 Samuel 14,26-29; Jesus Sirach 11,3; Markus 1,6

Vor allem das süße Produkt der Bienen, der Honig, ist Thema der Bibel. Seit urbiblischen Zeiten ist er als wertvolles und verlockendes Nahrungsmittel bekannt. Gott verheißt den durch die Wüste irrenden Israeliten, dass er sie in ein Land, in dem "Milch und Honig fließen", führt. Vom starken Richter Simson wird berichtet, er habe einen Bienenschwarm in einem Löwenkadaver entdeckt und Honig davon genommen. Dass Honig ein Heilmittel ist, erfährt Jonatan: "Seht, wie strahlend sind meine Augen geworden, weil ich ein wenig von diesem Honig gekostet habe." Salomo empfiehlt: "Iss Honig, mein Sohn, denn er ist gut, und Honigseim ist süß deinem Gaumen." Er weiß aber auch: "Zu viel Honig essen ist nicht gut." Auch Johannes der Täufer ernährte sich von Honig.

Zitat: "Die Biene ist klein unter allem, was Flügel hat, und bringt doch die allersüßeste Frucht."

Ameisen

Sprüche 6,6

Bis heute gelten Ameisen neben den Bienen als fleißigste Insekten. Unentwegt sammeln sie Nahrung, bauen riesige Hügelnester und errichten ganze Kolonien mit etlichen Millionen Tieren. Außerdem können sie ein Mehrfaches ihres Körpergewichtes tragen. Kein Wunder, dass das Insekt zu allen Zeiten als Inbegriff für pausenlosen Fleiß herhalten muss. Auch in der Bibel. Das Buch der Sprüche empfiehlt faulen Menschen, sich ein Vorbild an der Ameise zu nehmen.

Zitat: "Geh hin zur Ameise, du Fauler, sieh an ihr Tun und lerne von ihr!"

Luther war Theo-, kein Insektologe. Exegeten und Biologen haben herausgefunden: Wenn in der Bibel "Mücken" oder "Fliegen" oder "Ungeziefer" steht, sind oft andere Insekten gemeint – Läuse zum Beispiel oder Flöhe. Jedenfalls ging es den Menschen zu biblischen Zeiten ähnlich wie uns heute: Irgendwie wissen wir, dass Insekten wichtig und hilfreich sind. Aber wenn sie nerven und stechen, bedauern wir, dass Noah sie vor der Sintflut bewahrt hat.

Zum Weiterlesen: Silvia Schroer: Die Tiere in der Bibel: Eine kulturgeschichtliche Reise, Freiburg (Brsg.) 2010