TV-Tipp: "Meister des Todes" (3sat)

6.3., 3sat, 20.15 Uhr
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Foto: Getty Images/iStockphoto/vicnt

"Der Tod ist ein Meister aus Deutschland", heißt es in Paul Celans gegen Ende des Zweiten Weltkriegs entstandenem Gedicht "Todesfuge". Es wäre völlig unangebracht, deutsche Waffenexporte mit der nationalsozialistischen Judenvernichtung zu vergleichen, aber natürlich wird es kein Zufall sein, dass dieses packende Drama von Daniel Harrich, der das Drehbuch zusammen mit Gert Heidenreich geschrieben hat, einen ganz ähnlichen Titel trägt.

Harrich, Sohn des bekannten Dokumentarfilm-Ehepaars Walter Harrich und Danuta Harrich-Zandberg, hat zuletzt mit ähnlich großer Besetzung bereits einen Film über das Oktoberfestattentat 1980 gedreht ("Der blinde Fleck"). Hier wie dort geht es im Hintergrund um unheilige Allianzen. Beim Attentat war es die Verstrickung von Täter, Politik und Verfassungsschutz, diesmal hält die Politik ihre schützende Hand über fragwürdige Exporte; wenn auch nur solange, bis man Gefahr läuft, sich die Finger zu verbrennen.

"Meister des Todes" ist, wie der Vorspann sinngemäß betont, eine Fiktionalisierung von Tatsachen: Die Hauptfiguren sind erfunden, doch die skandalösen Ereignisse sind authentisch. Der Film erzählt seine Geschichte aus Sicht eines Waffenexperten. Wie schon in dem gleichfalls für den SWR entstandenen Drama "Nacht vor Augen" (über einen traumatisierten Afghanistan-Heimkehrer) oder letztes Jahr in dem Thriller "Besondere Schwere der Schuld" spielt Hanno Koffler überaus glaubwürdig einen jungen Mann aus der Mitte der Gesellschaft, der mit Ereignissen fertig werden muss, die mindestens eine Nummer zu groß für ihn sind: Zunächst ist Peter Zierler mit Feuer und Flamme dabei, als er als Mitarbeiter des württembergischen Waffenherstellers HSW in Mexiko Vertreter von Militär und Polizei in die Funktionsweise des neuen Sturmgewehrs SG38 einführen soll. Kurz drauf gerät er versehentlich zwischen die Fronten einer Demonstration und muss mit ansehen, wie Polizisten ihr frisch erworbenes Wissen nutzen, um unbewaffnete Studenten zu erschießen. Schockiert will Zierler aussteigen, zumal sich herausstellt, dass HSW mit Duldung der Politik die Auflagen der Rüstungsexportkontrolle umgangen hat. Nun zeigt sich jedoch, dass der von der Führungsebene gern gezogene Vergleich mit einer großen Familie auch seine Kehrseite hat: weil man diese Familie nicht mehr loswird. Zierler wird als Verräter gebrandmarkt; schließlich fallen sogar Schüsse.

Während "Der blinde Fleck" noch gewisse inszenatorische Schwächen hatte und gerade bei der Darstellerführung nicht immer überzeugte, ist "Meister des Todes" ein Thriller, in dem Harrich überzeugend alle Register zieht. Der Film wirkt nicht zuletzt dank der Bildgestaltung durch den großen Gernot Roll und seine agile Kameraführung äußerst aufwändig. Diesen Eindruck unterstreicht auch die Besetzung: Ein rundes Dutzend namhafter Schauspieler selbst in kleinsten Rollen gibt es sonst nur in teuren Prestigeproduktionen; das belegt einerseits die Bedeutung des Projekts und andererseits die Qualität des Drehbuchs. Wichtigste Akteure sind Axel Milberg als Geschäftsführer des Unternehmens, der am Ende, als alle Beteiligten ihren Kopf aus der Schlinge ziehen wollen, selbst loyale Mitarbeiter skrupellos über die Klinge springen lässt, Heiner Lauterbach als Vertriebschef und Zielers väterlicher Freund, der den vermeintlichen Verrat des jungen Mannes persönlich nimmt, sowie Udo Wachtveitl als Repräsentant der Firma in Mexiko. Die Frauen spielen in diesem Männergeschäft zwar nur kleine, aber dennoch entscheidende Nebenrollen und sind mit Veronica Ferres und Alina Levshin ebenfalls namhaft besetzt. Weitere Mitwirkende sind August Zirner als Wortführer der Proteste gegen Waffenexporte in Krisengebiete und Herbert Knaup als Politiker, dem hiesige Arbeitsplätze wichtiger sind als mexikanische Menschenleben. Im Anschluss (21.45 Uhr) zeigt 3sat die Dokumentation "Tödliche Exporte".

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