Rohingya-Krise: Ranghoher Berater gibt auf

Ein ranghoher Berater für Myanmars Regierung zur Rohingya-Krise, der frühere US-Diplomat Bill Richardson, gibt auf. Er wolle keiner "Cheerleader-Truppe" der myanmarischen Regierung angehören, erklärte der frühere UN-Botschafter der USA am Donnerstag nach einer Auseinandersetzung mit De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi. Suu Kyi mangele es an "moralischem Führungsstil", warf er ihr vor.

Richardson gehörte einem zehnköpfigen Gremium an, das Lösungen zur Flüchtlingskrise erarbeiten soll. Fünf von ihnen sind Ausländer.
Richardson ist der erste westliche Politiker, der öffentlich so deutliche Worte zum Verhalten der Regierung in der Rohingya-Krise findet. Der frühere Gouverneur des Staates New Mexiko sagte, es sei so nicht möglich, die dringend nötigen Änderungen in der Rohingya-Politik herbeizuführen.

Ursache für den Streit mit Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi war demnach eine Nachfrage Richardsons zu den zwei festgenommenen Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters. Die beiden hatten über die Lage im westlichen Rakhine-Staat und die Offensive der Armee gegen die Rohingya recherchiert und wurden Mitte Dezember festgenommen. Sie sind seitdem in Untersuchungshaft und wegen Geheimnisverrat angeklagt. Nach Ansicht Suu Kyis habe Richardson mit der Nachfrage seine Kompetenzen überschritten.



Menschenrechtler und die UN kritisieren Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi wegen der Gräuel an den Rohingya durch das Militär seit langem. Sie werfen ihr vor, die Gewalt nicht nur zu dulden, sondern das Vorgehen der Armee zu verteidigen. Seit Ende August 2017 sind etwa 680.000 Angehörige der muslimischen Minderheit ins benachbarte Bangladesch geflohen. Menschenrechtler und UN sprechen von "ethnischen Säuberungen" und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Richardson erklärte, er habe die Position innerhalb des Beratergremiums akzeptiert, weil er "ein Freund Myanmars und ein Freund Suu Kyis" sei. Während eines Treffens sei er jedoch erschrocken über ihre Beharrlichkeit gewesen, mit der sie die Außenwelt für die Rohingya-Krise verantwortlich mache. Dabei habe sie die Medien, die UN, Menschenrechtsorganisationen und die internationale Gemeinschaft verunglimpft.