TV-Tipp: "Brandnächte" (ZDF)

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TV-Tipp: "Brandnächte" (ZDF)
27.11., ZDF, 20.15 Uhr
Die Geschichte dieses Films dürfte Hauptdarstellerin Sophie von Kessel bekannt vorgekommen sein, denn eine ganz ähnliche Figur hat sie bereits in "Die Tochter des Mörders" (ZDF) gespielt.

In dem Krimidrama von Johannes Fabrick aus dem Jahr 2015 kehrt eine beruflich erfolgreiche Frau in das Dorf zurück, das sie vor vielen Jahren verlassen hat, nachdem ihre Mutter ermordet worden war, in "Brandnächte" ist die Schwester Opfer eines Verbrechens geworden; in beiden Fällen ist es der Tod des Täters, der die Frau zur Rückkehr veranlasst. Anwältin Julia bekommt jedoch schon geraume Zeit anonyme Mails, in denen die Unschuld des verurteilten Mörders beteuert wird. Nach der Tat sprachen jedoch sämtliche Indizien gegen den Mann, der nun, nach acht Jahren in der Psychiatrie, gestorben ist. Um endlich mit der Vergangenheit abzuschließen, reist Julia ein womöglich letztes Mal in das Dorf, in dem sie aufgewachsen ist, und tatsächlich stellt sich raus, dass die Nacht, in der ihre Schwester Sophia in den Flammen ihres Hauses starb, offenbar ganz anders abgelaufen ist.

Grimme-Preisträgerin Hannah Hollinger ("Grenzgang") hat bereits über ein Dutzend Drehbücher für den vielfach ausgezeichneten Matti Geschonneck geschrieben. Bis auf ganz wenige Ausnahmen waren die Geschichten stets düster. Für "Brandnächte" gilt das nicht minder, zumal der Regisseur und sein seit einigen Jahren bevorzugter Kameramann Theo Bierkens die Bilder ihrer jüngsten Zusammenarbeit betont freudlos gestaltet haben. Die Handlung trägt sich im frühen Frühling zu; die meisten Bäume sind noch kahl, aber einige tragen bereits Blüten. Dank eines konsequent durchgezogenen ästhetischen Konzepts vermittelt der Film aber keinerlei Aufbruchstimmung, im Gegenteil. Die meisten Außenaufnahmen sind in kühlem Blaugrau, die Innenaufnahmen in abweisendem Graubraun gehalten, beides strahlt keinerlei Wärme aus. Bei Kostüm und Ausstattung wurde offenbar sorgsam darauf geachtet, keine bunten oder gar fröhlichen Farben zu verwenden. Selbst die Sonne ist kalt, und auch das oberbayerische Alpenpanorama wirkt alles andere als einladend. Diese unterkühlte Atmosphäre spiegelt perfekt Julias Seelenleben wider; ihre Ehe (Thomas Loibl als Gatte Nick) wirkt gleichfalls lieblos und distanziert. Die einzigen auch optisch heiteren Momente sind die Rückblenden in die Todesnacht. Inez Bjørg David hat zwar nur wenige Auftritte als Sophia, aber die Besetzung wertet die Rolle natürlich entsprechend auf. Julia macht sich Vorwürfe, weil die Schwester kurz vor ihrem Tod um Hilfe gebeten und sie nicht reagiert hat. Die Rückblenden deuten zudem an, dass Sophia eine Affäre mit Nick hatte, was den Ehemann natürlich verdächtig macht.

Trotzdem ist "Brandnächte" kein Krimi, denn Julia sucht nicht aktiv nach dem Mörder, selbst wenn sie im Gespräch mit den Einheimischen rausfinden will, was damals wirklich passiert ist. Diese Nebenrollen sind vorzüglich besetzt: Mit Barbara Auer als Psychiaterin, deren Gutachten maßgeblich dazu beigetragen hat, dass der vermeintliche Mörder den Rest seines Lebens in einer geschlossenen Anstalt verbracht hat. Mit Nikolaus Paryla als alter Mann, dem eine illegale Sprengung einen Strich durch sein Lebenswerk gemacht hat; seither sitzt er im Rollstuhl. Er ist der Vater des Mörders und wundert sich, dass sich Julia nie gefragt hat, wie ihr Mann es von der journalistischen Kreisliga direkt in die Bundesliga geschafft hat. Und schließlich ist da noch Tobias Moretti als mittlerweile ehemaliger Polizist, der den Fall damals aufgeklärt hat, ein Eigenbrötler, der nicht mehr redet, als nötig ist, zumal Morettis Blicke ohnehin für sich sprechen. Der Österreicher sorgt scheinbar mühelos dafür, dass dieser Mann die neben Julia mit Abstand interessanteste Figur des Films ist. Er passt perfekt in dieses trostlose Dorf, das dank seiner abweisenden Einwohner und Bierkens’ Bildgestaltung ein Ort ist, den man so früh wie möglich verlassen sollte. Weil sich Geschonneck vor allem auf die Figuren konzentriert, ist "Brandnächte" ohnehin in erster Linie ein Drama, weshalb auch die Auflösung der Mordfrage eher beiläufig erfolgt.