Merkel: Reformation und Buchdruck führten zu Emanzipation

Merkel: Reformation und Buchdruck führten zu Emanzipation
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat das 500. Reformationsjubiläum am kommenden Dienstag als wichtigen Tag gewürdigt.

Durch die Reformation sei vieles gesellschaftspolitisch in Gang gekommen, ohne die Erfindung des Buchdrucks sei sie allerdings undenkbar gewesen, sagte Merkel in ihrem am Samstag verbreiteten Video-Podcast. Die Übersetzung der Bibel ins Deutsche durch Martin Luther (1483-1546) und der Buchdruck hätten "zu einer Verbreitung der christlichen Lehre geführt, aber damit auch zu einer Emanzipation", sagte Merkel. Es lohne sich, über die Veränderungen von damals nachzudenken, um auch die heutige Zeit besser zu verstehen. 

Die Reformationsfeierlichkeiten haben Merkel zufolge Luther von verschiedenen Seiten gezeigt, der wie jeder Mensch unglaubliche Stärken, aber auch Schwächen gehabt habe. Es sei wichtig, etwa über seine Aussagen zum Judentum auch sehr kritisch zu berichten: "Das ist für mich die vollständige, historische Rezeption, die wir brauchen." Trotzdem sei Luther für sie persönlich immer Ermutigung gewesen, sagte Merkel, die in einem protestantischen Pfarrhaus aufgewachsen ist. 

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Martin Luther (1483-1546) lebte in Mitteldeutschland. Geboren und gestorben ist er in Eisleben, gearbeitet hat er in Erfurt, Wittenberg und Eisenach - mit "Dienstreisen" nach Heidelberg, Augsburg, Worms, Marburg, Coburg, Torgau und Rom.
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Die Bundeskanzlerin würdigte Luther als bodenständig und unbändigen Arbeiter, der "ein ganz klares Bild bezüglich Gott und der Welt" gehabt habe. Aus seiner Sicht sollte sich der Mensch nicht einfach in sein Schicksal fügen, sondern habe die Freiheit, Verantwortung für andere zu übernehmen. "Das finde ich das Bedeutende an Luther", betonte Merkel.

In Deutschland sprach die Kanzlerin von einem "sehr interessanten Verhältnis von Kirche und Staat", das auch sehr stark durch die Reformation mit geprägt sei. Die Trennung von Kirche und Staat sei nicht so vollständig wie zum Beispiel in Frankreich durch den Laizismus, sagte Merkel. Dabei verwies sie auf die Verträge zwischen Kirche und Staat sowie auf den Gottesbezug in der Präambel des Grundgesetzes. 

Am Reformationstag wird die Bundeskanzlerin in Wittenberg am Festgottesdienst teilnehmen und beim staatlichen Festakt die Festrede halten. Die evangelische Kirche feiert noch bis Ende des Monats 500 Jahre Reformation. 1517 hatte Luther seine 95 Thesen gegen die Missstände der Kirche seiner Zeit veröffentlicht, die er der Überlieferung nach am 31. Oktober an die Tür der Wittenberger Schlosskirche nagelte. Der Thesenanschlag gilt als Ausgangspunkt der weltweiten Reformation, die die Spaltung in evangelische und katholische Kirche zur Folge hatte.