Kulturrat sieht Reformationsjubiläum hinter Möglichkeiten zurückgeblieben

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Einen Monat vor dem Finale des Reformationsjubiläums hat der Chef des Kulturrats die Organisatoren des Festjahres kritisiert. Die Evangelische Kirche in Deutschland habe Engagierte nicht genug eingebunden. Der Kulturbeauftragte der EKD widerspricht.

Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann, hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) für deren Organisation des Reformationsjubiläums scharf kritisiert. Die anfängliche Idee einer Annäherung von Kirche und Zivilgesellschaft sei leider nicht gelungen, sagte Zimmermann dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das Reformationsjubiläum sei deshalb "weit hinter seinen Möglichkeiten zurückgeblieben", kritisierte er.

Der Geschäftsführer des Spitzenverbands deutscher Kulturvereine sagte, er wolle nicht in Abrede stellen, dass es Aufgabe der EKD gewesen sei, das Reformationsjubiläum inhaltlich zu füllen. "Gerade weil es aber auf sie zulief, hätte ich mir gewünscht, sie hätte ihre Türen geöffnet für Akteure der Zivilgesellschaft", sagte er. Das sei nicht passiert.

Zimmermann: Christusfest für normalen Bürger nicht vermittelbar

Die Kulturverbände hätten das letztlich gemerkt an der "Grundausrichtung des Reformationsjubiläums auf ein Christusfest, das 500 Jahre nach der Spaltung die heutige Ökumene zwischen Protestanten und Katholiken betonen sollte". Um dies zu verstehen, müsse man der Kirche bereits tief verbunden sein. "Für den normalen Bürger ist das nicht vermittelbar", sagte Zimmermann, der selbst der evangelischen Kirche angehört und Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) ist.

Die Menschen hätten mit "viel lebensnäheren Themen" angesprochen werden sollen. "Es geht um die Frage, wie man Leute einbindet", sagte Zimmermann. Die EKD sei es ganz offensichtlich nicht gewohnt, das zu tun. "Und das ist nicht mehr zeitgemäß", kritisierte Zimmermann.

Claussen verspricht ehrliche Bilanz

Der Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Johann Hinrich Claussen, widersprach: Das Jahr habe überall dort zu "beglückenden Erfahrungen" geführt, wo die evangelische Kirche nicht für sich allein gefeiert, sondern mit anderen etwas gewagt habe. "Und das ist überall im Lande in großer Zahl und mit erstaunlichen Ergebnissen geschehen", sagte Claussen und verwies auf Kooperationen mit Theatern, Literaturhäusern, Buchhandlungen, Museen, Kinos, Musikern, Tänzern, bildenden Künstlern und säkularen Medien.

Claussen versprach, es werde eine ehrliche Bilanz des Reformationsjubiläums gezogen. Er verwies auf eine Tagung vor dem Reformationstag (31. Oktober) in Wittenberg und die EKD-Synode. Das Kirchenparlament tagt ab dem zweiten Novemberwochenende in Bonn. "Aus dem, was 2017 gelungen oder misslungen ist, lässt sich für uns viel lernen", sagte er.

Zum Finale des Reformationsjubiläums sind für den 31. Oktober ein Gottesdienst und ein staatlicher Festakt in Wittenberg geplant. Der Reformationstag ist in diesem Jahr erstmals bundesweit ein Feiertag. Zimmermann sprach sich dafür aus, den Feiertag dauerhaft zu erhalten. Er halte den Tag in seiner Bedeutung für sehr wichtig, sagte er.

Claussen äußerte sich "unentschieden" über einen dauerhaften Feiertag. Einerseits brauche man Tage der Vergewisserung und Orientierung. Andererseits habe die Reformation selbst aus guten Gründen viele Feiertage abgeschafft. "Das Entscheidende geschieht nicht an Feiertagen, sondern im Alltag, sagte er.