UN-Generalsekretär warnt: Humanitäre Katastrophe in Myanmar

Angesichts der Gewalt gegen die Volksgruppe der Rohingya im Westen Myanmars und steigender Flüchtlingszahlen hat UN-Generalsekretär Antonio Guterres vor einer humanitären Katastrophe gewarnt.

So sind nach Schätzungen des Flüchtlingshilfswerks UNHCR vom Sonntag seit der letzten Augustwoche mindestens 73.000 Angehörige der muslimischen Minderheit ins benachbarte Bangladesch geflohen. Tausende weitere sollen im Grenzgebiet oder innerhalb Myanmars festsitzen.



Das Welternährungsprogramm (WFP) teilte mit, dass es seine Hilfslieferungen im Bundesstaat Rakhine vorerst einstelle. Demnach konnten schon seit Mitte Juli im nördlichen Teil des Staates keine Nahrungsmittel mehr verteilt werden. Seit vergangener Woche seien Lieferungen auch im Zentrum wegen der anhaltend prekären Sicherheitslage nicht mehr möglich, erklärte das WFP am Samstag. Davon seien 250.000 Menschen betroffen. Am Freitag hatten Myanmars Behörden von 400 Toten binnen einer Woche gesprochen. Menschenrechtsorganisationen gehen von weitaus höheren Opferzahlen aus.

Flüchtlinge hatten UN-Vertretern und Menschenrechtlern geschildert, wie Myanmars Streitkräfte gemeinsam mit buddhistischen Mobs Rohingya erschossen oder enthaupteten, darunter auch Kinder. Allein in einem Dorf wird die Zahl der Getöteten auf 200 geschätzt. Häuser und Dörfer der Rohingya wurden niedergebrannt. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch machte Satellitenaufnahmen publik, wonach an mindestens 17 Orten jeweils Hunderte Häuser zerstört worden waren.

Im Rakhine-Staat gibt es seit 2012 immer wieder Pogrome gegen die Rohingya. Die Behörden im überwiegend buddhistischen Myanmar verweigern der muslimischen Volksgruppe den Status als Minderheit und die Bürgerrechte. Der Konflikt war erneut aufgeflammt, nachdem sich am 25. August eine Rohingya-Miliz zu Angriffen auf Polizei- und Armeeposten bekannt hatte.