Gedenken an Hiroshima und Nagasaki

Gedenken an Hiroshima und Nagasaki
Mit mehreren Gedenkveranstaltungen ist am Wochenende in Berlin an die mehr als 200.000 Opfer der Atombombenabwürfe auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki vor 72 Jahren erinnert worden.

Am Samstag wurde an der Weltfriedensglocke im Berliner Volkspark Friedrichshain mit einer Nacht der Kerzen ein "Zeichen für das Leben gesetzt", wie es hieß. Am Sonntagvormittag versammelten sich an der Glocke Friedensaktivisten zum gemeinsamen Läuten, Gedenken und Mahnen. Dazu eingeladen hatten unter anderem die Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW), das Deutsch-Japanische Friedensforum und der Deutsche Friedensrat.

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<p><strong>Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki</strong> (von Nils Sandrisser, epd)</p>

<p>Die Bilder vom Atompilz über Hiroshima sind zum Symbol für den nuklearen Schrecken geworden: Mehr als 200.000 Menschen starben nach dem Abwurf der ersten Atombomben durch die US-Luftwaffe.</p>

<p>Der Bomber, der am frühen Morgen des 6. August 1945 auf Japan zufliegt, transportiert die Waffe mit der bis dahin größten Vernichtungskraft: die mehr als vier Tonnen schwere Atombombe "Little Boy". US-Präsident Harry Truman hat sich entschlossen, sie einzusetzen.</p>

<p>Zehntausende Menschen sind sofort tot. Sie sterben in den Trümmern zusammenstürzender Gebäude oder verbrennen in Sekundenschnelle im Feuerball, der noch am Boden Temperaturen von 6.000 Grad Celsius erreicht. 80 Prozent der überwiegend aus Holz gebauten Häuser Hiroshimas sind zerstört, der Atompilz steigt 13 Kilometer hoch in die Atmosphäre. Wer die Explosion überlebt, hat oft schwere Verbrennungen erlitten.</p>

<p>Nach einigen Tagen beginnt die Strahlenkrankheit: Die Opfer erbrechen sich, haben Durchfall, bluten aus Mund und Nase und leiden unter Geschwüren. In den Wochen und Monaten nach dem Angriff sterben qualvoll noch einmal 70.000 bis 100.000 Menschen. Im Oktober 1945 verbietet die US-Besatzung zunächst alle Fotografien und Filmaufnahmen von Hiroshima, damit das Ausmaß der Zerstörung nicht öffentlich wird.</p>

<p>Am 9. August explodiert eine weitere Atombombe über Nagasaki. Insgesamt sterben in Hiroshima und Nagasaki 90.000 Menschen sofort, weitere 130.000 bis Ende des Jahres an den Folgen des Atombombenabwurfs.</p>

<p>Die Strahlenschäden seien bis ins hohe Lebensalter nachweisbar, stellen die "Internationalen Ärzte zur Verhütung eines Atomkriegs" (IPPNW) fest. Das Risiko für zahlreiche Krebserkrankungen sei bei den Überlebenden bis vor wenigen Jahren stetig gestiegen und heute bei über 80-Jährigen immer noch signifikant erhöht. Seit kurzem steige zudem die Zahl der Herzinfarkte bei Überlebenden. Auf der ganzen Welt wird am 6. August der Opfer gedacht.</p>


Für Sonntagabend luden IPPNW und die Evangelische Kirchengemeinde Berlin-Dahlem zudem zu einem "Hiroshimakonzert" in die Jesus-Christus-Kirche in Berlin-Dahlem ein. Die Schirmherrschaft hatte die japanische Botschaft in Deutschland.

Bis heute lägen etwa 15.000 Kernwaffen in den Arsenalen der Atomwaffenstaaten, hieß es vonseiten der Veranstalter. Das seien zwar erheblich weniger als zu Hochzeiten des Kalten Krieges, aber immer noch genug, um alles menschliche Leben auszulöschen. Es zeichne sich keine Abrüstung auf null ab. 

Ein großer Erfolg im Kampf gegen eine nukleare Katastrophe sei zwar das vor einem Monat von den Vereinten Nationen beschlossene internationale Verbot von Atomwaffen, das von 122 Staaten unterzeichnet wurde. Die Atommächte und ihre Verbündeten, die an der atomaren Abschreckung festhalten wollen, boykottierten allerdings die Verhandlungen - auch die Bundesregierung.

Die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) nannte die Haltung der Bundesregierung beschämend. "Wir hoffen, dass sich das nach der Bundestagswahl ändert", hieß es.

Am 6. August 1945 warfen US-amerikanische Bomber über dem japanischen Hiroshima eine Atombombe ab und zerstörten die Stadt komplett. Der Hitzeblitz tötete sofort mehrere Zehntausend Menschen, die folgende Druckwelle und Strahlen töteten und verletzten viele weitere. Bis Ende 1945 starben durch die Atombombe etwa 140.000 Menschen. Drei Tage später, am 9. August 1945, wurde die Stadt Nagasaki durch eine weitere Atombombe zerstört. Hier starben etwa 70.000 Menschen. Die Berliner Weltfriedensglocke war 1989 auf Initiative der japanischen World Peace Bell Association aufgestellt worden.