Ökumene-Festakt: Kirchen unterzeichnen "Wittenberger Zeugnis"

Vor dem Cranach-Altar v.li.: Jerry Pillay, Präsident der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen; Bischof Brian Farrell, Sekretär des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen; Martin Junge, Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (LWB); J

Foto: epd-bild/Jens Schlüter

Vor dem Cranach-Altar v.li.: Jerry Pillay, Präsident der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen; Bischof Brian Farrell, Sekretär des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen; Martin Junge, Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (LWB); Jong Chun Park (Suedkorea), Präsident des Weltrats Methodistischer Kirchen; Ivan Abrahams, Generalsekretär des Weltrats Methodistischer Kirchen, und Chris Ferguson, Generalsekretär der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen, mit der unterzeichneten "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre".

Ökumene-Festakt: Kirchen unterzeichnen "Wittenberger Zeugnis"
Zur Stärkung des Zusammenhalts christlicher Kirchen hat die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen am Mittwoch in der Wittenberger Stadtkirche zwei Erklärungen unterzeichnet.

Bei einem ökumenischen Festgottesdienst bekannten sich die Protestanten aus der Tradition der Schweizer Reformatoren Zwingli und Calvin gemeinsam mit dem Lutherischen Weltbund zum "Wittenberger Zeugnis" und traten der "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre" bei. Dem Lutherischen Weltbund (LWB) gehören über 74 Millionen Christen an, die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen - die bis Freitag in Leipzig tagt - repräsentiert rund 80 Millionen Christen.

"Das ist ein historischer Moment", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, in seiner Begrüßung. 500 Jahre nachdem der Mönch Martin Luther in Wittenberg die Reformationsbewegung und damit die Spaltung der abendländischen Christenheit angestoßen habe, hätten die Christen verstanden, dass sie sich nicht mit dieser Trennung abfinden müssen. "In dieser Welt, die uneins ist, setzen wir ein Zeichen ökumenischer Einheit", sagte Bedford-Strohm.

In der Präambel des "Wittenberger Zeugnisses" heißt es, die Erklärung sei eine Reaktion "auf die einmalige Erneuerungschance, die sich im Jahr des 500. Reformationsjubiläums der Kirche bietet". Lutheraner und Reformierte verpflichten sich darin unter anderem zu einem größeren Einsatz für eine gerechte und friedliche Welt. LWB-Generalsekretär Martin Junge unterschrieb für die weltweite lutherische Gemeinschaft von 145 Kirchen. Generalsekretär Chris Ferguson für die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK), die mehr als 225 Kirchen zu ihren Mitgliedern zählt.

Die "Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre" gilt als Meilenstein der christlichen Ökumene, in der sich Katholiken und Lutheraner am Reformationstag 1999 darauf einigen konnten, dass sie das Verständnis der Rechtfertigung aus Gottes Gnade durch den Glauben an Christus teilen. Später stimmten auch Methodisten und Anglikaner der Erklärung zu. Die Auslegung der Rechtfertigungslehre durch Martin Luther war einer der Auslöser der Kirchenspaltung im 16. Jahrhundert. Bei dem Streit ging es um die Frage, wie das durch Sünde gestörte Verhältnis zwischen Mensch und Gott wieder in Ordnung kommt.

Neben dem EKD-Ratsvorsitzenden und den Generalsekretären nahmen auch der Präsident der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen, Jerry Pillay (Südafrika), Bischof Brian Farrell, Sekretär der Päpstlichen Rats für die Einheit der Christen, und Jong Chun Park (Südkorea), Präsident des Weltrats Methodistischer Kirchen, an der Zeremonie teil.

Für die Reformierten waren die Unterzeichnungen ein Höhepunkt der neuntägigen 26. WGRK-Generalversammlung in Leipzig. Rund tausend Gläubige vertreten bei dem Festakt in Wittenberg die Christen reformierter Tradition.

Die Generalversammlung der Reformierten tagt nur alle sieben Jahre und ist im Gedenksommer an das 500. Reformationsjubiläum die größte evangelische Kirchentagung. In den beiden letzten Tagen der Generalversammlung beschäftigen sich die Reformierten mit der Wahl eines neuen Generalsekretärs und der Verabschiedung einer Erklärung zum Thema Weltgerechtigkeit.

In ihrer Lehre beziehen sich Reformierte, anders als etwa die Lutheraner, die in theologischer Nachfolge Martin Luthers stehen, vor allem auf die Schweizer Reformatoren Ulrich Zwingli (1484-1531) und Johannes Calvin (1509-1564).

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