Todesurteil in Pakistan wegen Gotteslästerung in sozialen Medien

Erstmals ist in Pakistan wegen des Vorwurfs der Gotteslästerung im Internet die Todesstrafe verhängt worden. Wie pakistanische Medien am Sonntag berichteten, verurteilte ein Gericht in Bahawalpur, 600 Kilometer südlich der Hauptstadt Islamabad, am Samstag einen 30-jährigen Mann wegen abwertender Facebook-Kommentare über den Propheten Mohammed zum Tod am Galgen.

Das islamische Land ist für seine drakonischen Gesetze zur Gotteslästerung bekannt. Die Regierung hat vor einigen Wochen damit begonnen, als blasphemische erachtete Inhalte in Blogs und in sozialen Medien wie Facebook und Twitter zu blockieren oder zu löschen.



In dem islamischen Land ist bislang noch kein wegen Blasphemie verhängtes Todesurteil vollstreckt wurden. Allerdings bedeutet bereits der Vorwurf der Gotteslästerung Lebensgefahr für die Beschuldigten. Immer wieder kommt es zu Lynchjustiz und Rachemorden. Anfang des Jahres wurde ein Student zu Tode geprügelt, weil er angeblich Gotteslästerung in den sozialen Medien begangen hatte. Richter und Anwälte, die mit Blasphemie-Fällen befasst sind, werden bedroht und müssen um ihr Leben fürchten.

In Pakistan warten zur Zeit knapp 20 Menschen nach Blasphemie-Urteilen auf ihre Hinrichtung, darunter auch die 52-jährige Christin Aasia Bibi. Immer wieder stellt auch der Nachweis von Blasphemie ein Problem dar, da schon eine Erörterung, ob ein Akt oder Ausspruch Gotteslästerung ist oder nicht, wegen der Gefahr der Gotteslästerung nicht statthaft ist. 2015 befasste sich sogar ein Gericht mit der Frage, ob bereits eine Kritik der harschen Blasphemie-Gesetze bereits selbst den Tatbestand der Blasphemie erfüllt.