Kuppelkreuz sorgt weiter für Streit

Kuppelkreuz sorgt weiter für Streit
In der Debatte um die Rekonstruktion des Kuppelkreuzes auf dem Berliner Stadtschloss hat sich nun auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) zu Wort gemeldet. Im "Tagesspiegel" (Online) sprach sich der Minister für ein Kreuz auf der wieder errichteten Kuppel auf.

"Nicht weil ich Christ bin, sondern weil man sich entscheiden muss", sagte der CDU-Politiker: Entweder werde ein aufregender Neubau gebaut, oder man entscheide sich für den Wiederaufbau des Schlosses. Am Aussehen der Kuppel des Humboldt Forums scheiden sich seit Wochen die Geister. Befürworter des Kreuzes sind neben prominenten Kirchenvertretern unter anderem Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), weitere CDU-Politiker und die drei Gründungsintendanten des Forums. Vertreter von Linken, Grünen und Humanistischem Verband halten das christliche Symbol dagegen für ein falsches Signal.

De Maizière betonte, zu einem wiederaufgebauten Schloss "gehört dann auch das Kreuz". Wer das Kreuz ablehne, müsste auch dafür sein, dass die Fassade mit Putten und Engeln entfernt wird. "Auch das sind christliche Symbole", unterstrich der Bundesinnenminister.

EKD plädiert für mehr Gelassenheit

Der Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland, Johann Hinrich Claussen, plädierte in der Debatte um das Kuppelkreuz für mehr Gelassenheit. Eine Gesellschaft könne sich nur dann über positive und negative Seiten der Religionen verständigen, "wenn man souverän mit ihrer öffentlichen Sichtbarkeit umgeht", erklärte Claussen in einem Gastbeitrag im "Tagesspiegel" (Freitag). Bislang sei die Bedeutung der Religionsfrage für das im Schloss untergebrachten Humboldt Forum nicht ausreichend diskutiert worden.

Die Debatte um das Kuppelkreuz könne dann zum Glücksfall werden, "wenn sie auf eine echte inhaltliche Frage aufmerksam machte", unterstrich der EKD-Kulturbeauftragte. Schließlich solle das Humboldt Forum "eine Begegnung der Welten inszenieren". Dies könne aber nur gelingen, "wenn dabei ein Verständnis für Religion sichtbar wird". Zum einen seien viele der ethnologischen Exponate Kult-Objekte. Zum anderen lebe die aktuelle Relevanz des Forums "auch von der gegenwärtigen Religionsfrage".

Claussen sprach im Zusammenhang mit der Diskussion über das Kuppelkreuz von Symbolpolitik. Einige Beteiligte scheinen "zum Zweck der eigenen Identitätssicherung die öffentliche Erinnerung an das Christentum reduzieren zu wollen", betonte der Theologe.

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Auch der Architekt des Schlossneubaus, Franco Stella, schaltete sich in die Debatte ein. In einem Schreiben an den "Tagesspiegel" wandte er sich gegen den Vorschlag der Gründungsintendanz des Humboldt Forums, in Ergänzung zum Kuppelkreuz an der Ostseite des Schlossbaus den Schriftzug "Zweifel" in großen Buchstaben anzubringen, wie die Zeitung am Freitag berichtete. Stella wolle damit seinen Entwurf retten, sich aber ansonsten in die Diskussion "über die Neutralisierung religiöser Symbole durch Kunst-Lettern" nicht einmischen, schreibt das Blatt weiter.

Die Ostseite des Schlossneubaus ist den Angaben zufolge die einzige Fassade, die keine historische Rekonstruktion mit barockem Ornament- und Figurenschmuck darstellt. Die Idee mit der Installation des Schriftzuges "Zweifel" des Künstlers Lars Ramberg stammte vom Intendanten-Trio Neil MacGregor, Hermann Parzinger und Horst Bredekamp.

Das Humboldt Forum wird nach weitgehend historischem Vorbild am Ort des früheren Berliner Schlosses in unmittelbarer Nähe des Berliner Doms errichtet. Das Barockschloss wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und von 1950 bis 1951 abgerissen. In der DDR stand dort der Palast der Republik, der von 2006 bis 2008 abgerissen wurde. 2002 hatte der Bundestag den Wiederaufbau des Schlosses als Humboldt Forum beschlossen.