"Jesus wäre ein kritisches Mitglied unserer Partei"

Gregor Gysi

Foto: epd-bild/Jürgen Blume

Gregor Gysi

"Jesus wäre ein kritisches Mitglied unserer Partei"
Gregor Gysi: Protestanten sind etwas humorloser als Katholiken
Der Vorsitzende der Europäischen Linken, Gregor Gysi, hält die Kirchen für unverzichtbar. Ohne Kirchen gäbe es keine allgemeinverbindlichen Moralnormen mehr, sagte der Linken-Politiker der "Berliner Zeitung" (Dienstag).

Die Linke sei über lange Zeit in der Lage gewesen, solche Normen im Sozialbereich aufzustellen. Durch das Scheitern des Staatssozialismus sei die Linke für die Allgemeinverbindlichkeit zu geschwächt. "Ohne Kirchen und Religionsgemeinschaften hätten wir also keine solchen Moralnormen mehr. Der Kapitalismus kann sie nicht erzeugen."

Den am Mittwoch in Berlin beginnenden evangelischen Kirchentag hält Gysi für "etwas Wichtiges". Die Menschen brauchten diese Art der Begegnung, den Austausch, das Gespräch. In Berlin werde das sicherlich spannend werden.

Protestanten etwas humorloser als Katholiken

Dabei hält der Linken-Politiker und Bundestagabgeordnete die Protestanten in vielem für weiter und fortschrittlicher als die Katholiken, etwa wenn es um die Gleichstellung der Geschlechter gehe. Auch hätten die Protestanten "das ganze Brimborium deutlich reduziert". Sie seien allerdings auch etwas humorloser als die Katholiken, sagte Gysi. Dies liege wohl an der bei Katholiken übliche Beichte. "Die Beichte ist ja eine geniale Erfindung: Du kriegst ein paar Strafgebete und bist alle deine Sünden los", sagte Gysi.

Als Martin Luthers (1483-1546) größte Leistung sieht Gysi die Bibelübersetzung. Dadurch habe der Reformator die Kirche viel volksnäher gemacht. Heute wäre Luther eher parteilos, weil er sich kritisch mit allen möglichen Positionen auseinandergesetzt habe und sich nicht binden wollte, sagte der Linken-Politiker: "Jesus wäre ein kritisches Mitglied unserer Partei. Bei Luther bin ich mir nicht sicher."

Meldungen

Top Meldung
Religionsunterricht
Die stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Annette Kurschus, befürwortet einen gemeinsamen Religionsunterricht von Christen und Muslimen.