Auslandsbischöfin besorgt über Menschenrechtslage in Indonesien

Die Auslandsbischöfin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Petra Bosse-Huber, hat sich besorgt über die Menschenrechtslage in Indonesien gezeigt. "Dass unter dem Blasphemievorwurf gegen Christen, aber auch gegen regierungskritische Stimmen in der Gesellschaft vorgegangen wird, ist gerade angesichts der toleranten Vergangenheit dieses Landes bitter", sagte sie am Mittwoch auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd).

"Die Verhaftungen, aber auch die drastischen staatlichen Einschnitte in die Presse- und Informationsfreiheit im Internet während der letzten Tage gefährden aus meiner Sicht massiv das friedliche und demokratische Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religionen und Kulturen, für das Indonesien so lange ein Vorbild gewesen ist."

Am Dienstag hatte ein Gericht in Indonesien den christlichen Gouverneur der Hauptstadt Jakarta wegen Blasphemie zu zwei Jahren Haft verurteilt. Basuki Tjahaja Purnama, genannt Ahok, habe sich der Verunglimpfung des Korans schuldig gemacht, erklärten die Richter einem Bericht der "Jakarta Post" zufolge. Der 50-Jährige kündigte an, gegen das Urteil in Berufung zu gehen. Das Urteil traf international auf Kritik.

Anlass für die Blasphemie-Vorwürfe ist eine Rede Ahoks während des Wahlkampfs für das Gouverneursamt im September, in der er eine Sure des Korans erwähnte, die es Muslimen je nach Auslegung verbietet, Nicht-Muslime zu wählen. Die Wähler bräuchten sich nicht unbehaglich zu fühlen, falls sie nicht für ihn stimmten aus Angst, in die Hölle zu kommen, da sie getäuscht würden, sagte der Gouverneur. Später entschuldigte er sich mehrfach für seine Äußerungen.

Bei der Stichwahl um das Gouverneursamt im April musste sich Ahok, der nicht nur Christ ist, sondern zudem der chinesischstämmigen Minderheit in Indonesien angehört, einem muslimischen Herausforderer geschlagen geben. Amtsübergabe ist im Oktober.

Indonesien ist die größte muslimische Nation der Welt. Etwa 88 Prozent der 250 Millionen Einwohner sind Muslime, rund neun Prozent Christen. Der Inselstaat gilt traditionell als Heimat eines toleranten Islam, erlebt aber seit etlichen Jahren eine Zunahme fundamentalistischer Strömungen. Laut Amnesty International wurde das Blasphemie-Gesetz während der Suharto-Diktatur (1965-1998) zur Verfolgung von zehn Personen eingesetzt, von 2005 bis 2014 dokumentierte die Organisation mindestens 106 Fälle.