Theologie-Professorin: Reformation ohne Frauen schwer denkbar

Theologie-Professorin: Reformation ohne Frauen schwer denkbar
Ohne Zutun der Frauen hätte sich die Reformation nach Einschätzung von Renate Jost, Professorin für Feministische Theologie, nie so schnell und wirkungsmächtig ausbreiten können.

Luthers Ehefrau Katharina von Bora sei für den Reformator eine moralische Stütze gewesen, "seine theologische Beraterin", sagt Renate Jost, die an der landeskirchlichen Augustana-Hochschule in Neuendettelsau lehrt. Viele Frauen hätten die Ideen der Reformation auch deshalb aufgegriffen und weitergetragen, "weil sie Luthers Ablehnung kirchlicher Hierarchien auf sich selbst und ihre damalige gesellschaftliche Stellung bezogen". 

Eine wichtige Errungenschaft der Reformation sei die Bildung der Frauen gewesen. "Alle Christen sollten selbst die Bibel studieren können. Dazu mussten die Mädchen und Frauen natürlich lesen und schreiben lernen", erläutert Jost.

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Von der Pfarrfrau zur Bischöfin
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Dass es in den lutherischen Kirchen trotzdem so lange bis zur völligen Gleichstellung der Frauen gedauert habe, liege daran, dass die patriarchalen Umstände der jeweiligen Zeiten dies verhindert hätten. Die volle Gleichstellung sei erst über die Frauenbewegung im 20. Jahrhundert säkular erreicht worden, "aber die Ideen entstammen der christlich-jüdischen Tradition".

Die einstige Dozentur und heutige Professur für Feministische Theologie in Neuendettelsau ist die einzige dauerhafte in diesem Fachbereich an allen deutschen Hochschulen. "Uns geht es darum, Geschlechtergerechtigkeit in alle Bereiche der Theologie hineinzubringen", sagt Jost. Dabei gehe es zum Beispiel um die Frage, in welcher Weise Theologie Frauen benachteiligt hat und darum, wie Ideologien zur Minderwertigkeit der Frauen entstanden sind.

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