TV-Tipp: "Nord bei Nordwest: Der Transport" (ARD)

6.4., ARD, 20.15 Uhr: "Nord bei Nordwest: Der Transport"
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"Morden im Norden", "Nord Nord Mord", "Nord bei Nordwest": Bei all den Krimireihen und -serien, die an Nord- und Ostsee spielen, kann man schon mal den Überblick verlieren. Mit Hinnerk Schönemann hat "Nord bei Nordwest" allerdings ein klares Alleinstellungsmerkmal zu bieten. Die Bücher stammen vom zweifachen Grimme-Preisträger Holger Karsten Schmidt ("Mord in Eberswalde"), der schon über ein Dutzend Drehbücher für Schönemann geschrieben hat; "Mörder auf Amrum" war vielleicht ihre beste Zusammenarbeit.

Der vierte Film der Reihe, "Der Transport", ist allerdings beinahe mehr eine Hommage an die beiden rothaarigen Frauen, die im Leben von Tierarzt Hauke Jacobs eine prägende Rolle spielen. In einer ungewöhnlich romantischen Szene wartet Praxishelferin Jule (Marleen Lohse) sichtbar sehnsüchtig darauf, dass Hauke ihr ein Zeichen seiner Zuneigung gibt, und der Arzt würde auch gern, aber endlich verrät Schmidt, warum der frühere Kommissar aus Hamburg einen radikalen Schnitt gemacht und in dem Ostseestädtchen Schwanitz einen Neuanfang gesucht hat.

Die eigentliche Handlung dreht sich um ein Motorradrennen namens Nordic Race, das Teilnehmer von nah und fern anlockt, darunter auch ein Trio aus Schweden. Kurz zuvor waren die drei noch zu viert, aber einer war zu gierig und musste dran glauben. Angesichts des Opfers, das schließlich aufgrund der Strömung in Schwanitz landet, bittet die örtliche Polizistin (Hennry Reents ist die andere Rothaarige) Jacobs um Hilfe. Der findet umgehend heraus, wo der Tote herkommt, und tatsächlich gibt es in Schweden eine Akte über den Mann: Er war einst mit einem Komplizen an einem Überfall beteiligt. Sein deutlich älterer damaliger Partner Ole Mantell (Dennis Storhøi) ist nun auch sein Mörder und samt junger Freundin (Lore Richter) angeblich wegen des Rennens nach Schwanitz gekommen. Dritter im Bunde ist der junge Nils (August Wittgenstein), der sich zum Missfallen von Jacobs an Jule ranmacht. Nils wird wie Jule am Nordic Race teilnehmen, aber das Rennen ist bloß Teil eines raffinierten Plans des alten Schweden.

Die Drehbücher von Schmidt sind in der Regel nie bloß Krimis; gerade die Filme mit Schönemann als Privatdetektiv Finn Zehender zum Beispiel erfreuen immer wieder durch einen mitunter tiefschwarzen Humor. Auch "Der Transport" hat diverse komische Momente zu bieten, aber meist sind sie vergleichsweise sanfter Natur und fast schon familientauglich; sehr amüsant sind zum Beispiel die Szenen mit einem ausgesetzten Esel, den Jule anschleppt. Die früheren Besitzer haben das Tier mit der Mitteilung versehen, es habe Angst vor Gewitter, weshalb sich beim nächtlichen Unwetter erst Jacobs und dann auch Jule im Stall einfinden. Weil es Schmidt gern zur Sache gehen lässt, kommt es schließlich zu einer zünftigen Schießerei, als der Schwede und seine Spießgesellen ihren Plan umsetzen. Regisseur Till Franzen, der für den NDR bei "Großstadtrevier" üben durfte und mit "Der Transport" seinen ersten ARD-Abendfilm gedreht hat, inszeniert die Szene zwar nicht so konsequent als Western, wie das etwa Schmidts langjähriger Lieblingsregisseur Markus Imboden beim "Mörder auf Amrum" getan hat, aber die Anklänge sind unübersehbar.

Darüber hinaus gibt es viele Szenen, die nicht weiter wichtig für die Krimihandlung sind, aber den besonderen Charme des Films ausmachen; dazu zählen etwa die Karaoke-Einlage, mit der der junge Ganove Jule beeindrucken will, oder der durch metaphysische Bilder illustrierte Kick, den Jule erlebt, als sie beim Rennen durch jene Kurve rast, in der ihr Bruder bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen ist. Hörenswert ist auch die Musik (Stefan Hansen), die mit Bottleneck-Anleihen im Country-Stil äußerst entspannt beginnt und zunehmend rockiger wird, als die Spannung zunimmt und sowohl die Stimmung wie auch die Bildgestaltung immer düsterer werden. Am Ende ist Franzen allerdings ein ziemlicher Fehler unterlaufen: Man muss kein Waffennarr sein, um zu ahnen, dass eine Pistole ohne Magazin deutlich leichter ist als eine geladene Waffe, weshalb sich ein Soldat kaum auf diese Weise reinlegen ließe.