"Ein feste Burg": Gauck wünscht sich Reformationslied zum Abschied

Gauck nimmt Abschied von Schloss Bellevue

Foto: dpa/Wolfgang Kumm

"Ein feste Burg": Gauck wünscht sich Reformationslied zum Abschied
Beim Großen Zapfenstreich zur Verabschiedung von Bundespräsident Joachim Gauck wird heute das berühmte Reformationslied "Ein feste Burg ist unser Gott" erklingen.

Der Choral von Reformator Martin Luther steht als dritter Titel auf der Wunschliste für das militärische Zeremoniell in Berlin, wie eine Sprecherin des Bundespräsidialamts am Donnerstag bestätigte. Außerdem wünscht sich das scheidende Staatsoberhaupt die Stücke "Freiheit, die ich meine" und "Über sieben Brücken musst du gehen".

"Ein feste Burg ist unser Gott" ist quasi die Hymne der Protestanten. In Gottesdiensten zum Reformationstag wird sie in aller Regel gesungen. In dem Lied geht es um Gottvertrauen und den Streit mit dem Teufel, den "altbösen Feind", wie es darin heißt. Wegen des kämpferischen Textes wurde der Choral aber oft auch für militärischen Zusammenhänge umgedeutet. Beim Zapfenstreich zu hören sein wird die Kantaten-Komposition von Johann Sebastian Bach (1685-1750).

Choral Ursprung für die Faszination für Luther

In einem Interview mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) sagte Gauck, der selbst evangelischer Pfarrer war, mit dem Choral habe seine Faszination für Luther und die Reformation begonnen. Als relativ kleiner Junge habe er erlebt, wie eine ganze Gesellschaft aus Angst Anpassungsmechanismen entwickelte. "Und dann lernte ich in der Christenlehre: 'Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen, er hilft uns frei aus aller Not' - das war stark", sagte Gauck. Das habe ihm Selbstvertrauen gegenüber den Herren dieser Welt vermittelt, sagte der in der DDR aufgewachsene Gauck.

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Lachen, träumen, wütend sein: Joachim fühlt mit

Der Pfarrer Joachim Gauck wurde der erste Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR.

© Henning Langenheim/akg-images

Der Pfarrer Joachim Gauck wurde der erste Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR.

© Henning Langenheim/akg-images

Der Pfarrer Joachim Gauck wurde der erste Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. Er wurde am 24. Januar 1940 in Rostock geboren.

Das Foto zeigt ihn während einer Diskussionsveranstaltung zum "Schwarzbuch des Kommunismus" im Humboldt-Saal der Urania, Berlin, 16. Juni 1998. Links neben Joachim Gauck (rechts) sitzt der Herausgeber des Buches Stéphane Courtois.

Portrait von Joachim Gauck am 18. Juli 1990 in Berlin.

© epd-bild/Hans-Peter Stiebing

Portrait von Joachim Gauck am 18. Juli 1990 in Berlin. Zu diesem Zeitpunkt ist er Vorsitzender des Volkskammerausschusses zur Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Zuvor stand er von 1965 bis 1990 im Dienst der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs und arbeitete viele Jahre als Pastor.

Auf dem Foto scherzt er vor der Thesentür der Schlosskirche mit dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (links) und der dänischen Königin Margarethe II.

© epd-bild/Rolf Zoellner

Die restaurierte Schlosskirche in Wittenberg war am 2. Oktober 2016 mit einem Festgottesdienst feierlich wiedereröffnet worden. Als Bundespräsident ist Joachim Gauck beliebter Gast vieler offizieller Veranstaltungen. Auf dem Foto scherzt er vor der Thesentür der Schlosskirche mit dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (links) und der dänischen Königin Margarethe II.

Joachim Gauck gedenkt der Opfer der Reichsprogromnacht 1938 in Kottbus.

© Hermann Bredehorst/Polaris/laif

9. November 2016: Joachim Gauck gedenkt der Opfer der Reichsprogromnacht 1938. Dafür besuchte er die ehemalige Synagoge in Kottbus.

Jürgen Trittin (links) und Joachim Gauck während der Bundespressekonferenz, die ihn als Kandidaten der SPD und Bündnis 90/Die Grünen für das Bundespräsidentenamt vorstellt.

© Hermann Bredehorst/Polaris/laif

Jürgen Trittin (links) und Joachim Gauck während der Bundespressekonferenz, die ihn als Kandidaten der SPD und Bündnis 90/Die Grünen für das Bundespräsidentenamt vorstellt. Am 18. März 2012 wählte die Bundesversammlung Joachim Gauck zum elften Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland.

Joachim Gaucks erste Rede vor dem Bundestag als bundespräsident am 23. März 2012

© Goetz Schleser/laif

Joachim Gauck war der erste parteilose Kandidat in der Geschichte der Republik, der zum Bundespräsidenten gewählt wurde. Am 23. März 2012 hielt er seine Antrittsrede vor dem Bundestag und fragte: "Wie soll es nun also aussehen, dieses Land, zu dem unsere Kinder und Enkel 'unser Land' sagen?" Er antwortete darauf: "Es soll 'unser Land' sein, weil 'unser Land' soziale Gerechtigkeit, Teilhabe und Aufstiegschancen verbindet. Der Weg dazu ist nicht der einer paternalistischen Fürsorgepolitik, sondern der eines Sozialstaates, der vorsorgt und ermächtigt. Wir dürfen nicht dulden, dass Kinder ihre Talente nicht entfalten können, weil keine Chancengleichheit existiert. Wir dürfen nicht dulden, dass Menschen den Eindruck haben, Leistung lohne sich für sie nicht mehr und der Aufstieg sei ihnen selbst dann verwehrt, wenn sie sich nach Kräften bemühen. Wir dürfen nicht dulden, dass Menschen den Eindruck haben, sie seien nicht Teil unserer Gesellschaft, weil sie arm oder alt oder behindert sind."

Gauck als junger Pfarrer.

©Privatbesitz Joachim Gauck

Den jungen Landpastor der evangelisch-lutherischen Kirche in Lüssow quälten Zweifel, ob er den richtigen Berufsweg beschritten hatte, was er mit forschem Auftreten wett machte und sehr beliebt bei der weiblichen Gemendemitgliedern. Hier ist er mit einer Konfirmandin zu sehen, denn er hielt in dem kleinen Ort den Konfirmandenunterricht und die Christenlehre.
Weitere persönliche Einblicke in Gaucks Leben sind nachzulesen in der Biografie "Gauck - Eine Biografie, Surkamp Verlag.

 In seinem Amtszimmer im Schloss Bellevue empfängt er einen ehemaligen Konfirmanden aus seiner Zeit als Pastor und dessen Familie.

© Dominik Butzmann/laif

Bundespräsident Joachim Gauck. In seinem Amtszimmer im Schloss Bellevue empfängt er einen ehemaligen Konfirmanden aus seiner Zeit als Pastor und dessen Familie.

Joachim Gauck glaubt auch an Europa

© Hermann Bredehorst/Polaris/laif

Joachim Gauck glaubt auch an Europa: "Europa war für meine Generation Verheißung – aufbauend auf abendländischen Traditionen, dem antiken Erbe einer gemeinsamen Rechtsordnung, dem christlichen und jüdischen Erbe. Für meine Enkel ist Europa längst aktuelle Lebenswirklichkeit mit grenzüberschreitender Freiheit und den Chancen und Sorgen einer offenen Gesellschaft. Nicht nur für meine Enkel ist diese Lebenswirklichkeit ein wunderbarer Gewinn" (aus seiner Rede vor dem Bundestag am 23. März 2012). Joachim Gauck hat vier Kinder, zwölf Enkel- und vier Urenkelkinder.

Nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten am 18. März 2012 spricht Joachim Gauck (links) mit Otto Rehhagel (mitte), dem damaligen Trainer von Hertha BSC Berlin und Angela Merkel (rechts).

© Tobias Schwarz/reuters

Nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten am 18. März 2012 spricht Joachim Gauck (links) mit Otto Rehhagel (Mitte), dem damaligen Trainer von Hertha BSC Berlin und Angela Merkel (rechts).

Während einer Lesereise fährt Joachim Gauck auch in seine Heimatstadt Rostock. Auf dem Foto, vom 12. Juni 2010, grüßt er einen Bekannten in der St.Thomas-Morus-Kirche, bevor die Lesung beginnt.

© Regina Schmeken/SZ Photo/laif

Während einer Lesereise fährt Joachim Gauck auch in seine Heimatstadt Rostock. Auf dem Foto, vom 12. Juni 2010, grüßt er einen Bekannten in der St.Thomas-Morus-Kirche, bevor die Lesung beginnt.

Nachdenklicher Joachim Gauck

© Giribas Jose/SZ Photo/laif

Gauck nennt sich einen "linken, liberalen Konservativen". Als deutscher Bundespräsident verfügte er über wenig Macht; seine eigentliche Macht ist die der Rede. Von seinen fünf Jahren Amtszeit sind <a href="http://www.bundespraesident.de/DE/Bundespraesident-Joachim-Gauck/Reden-und-Interviews/Reden/reden-node.html?gtp=1891762_Dokumente%253D58">586 seiner Reden dokumentiert.</a>.

Die evangelische Kirche feiert bis Oktober dieses Jahres 500 Jahre Reformation. Am 31. Oktober 1517 hatte Martin Luther (1483-1546) seine 95 Thesen gegen die Missstände der Kirche seiner Zeit veröffentlicht. Der legendäre Thesenanschlag gilt als Ausgangspunkt der weltweiten Reformation, die die Spaltung in evangelische und katholische Kirche zur Folge hatte.

Gauck scheidet nach fünfjähriger Amtszeit an diesem Wochenende aus dem höchsten Staatsamt. Am kommenden Mittwoch soll Frank-Walter Steinmeier im Reichstagsgebäude als Bundespräsident vereidigt werden.

Wir suchen übrigens noch Chöre, die bei unserer "500 Chöre"-Challenge auf www.reformaction2017.de/500choere mitmachen!  Wer bis zum 30. April 2017 sein Video von "Ein feste Burg" hochlädt, kann ein Video-Porträt über seinen Chor gewinnen, das hier auf evangelisch.de läuft. Aus allen Teilnehmern wird ein Gewinner ausgesucht und per E-Mail von uns benachrichtigt!

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