Bundespräsident Gauck mahnt weitere ökumenische Schritte an

Bundespräsident Gauck mahnt weitere ökumenische Schritte an
Bundespräsident Joachim Gauck hat weitere Schritte der Zusammenarbeit zwischen der evangelischen der katholischen Kirche angemahnt. "Eine Zukunft wird das Christentum in unserem Land am ehesten als ökumenisches haben", sagte er laut Redemanuskript am Samstag in Hildesheim bei einem zentralen ökumenischen Buß- und Versöhnungsgottesdienst zum 500. Reformationsjubiläum. Gauck erinnerte an die Kriege, die aus der Feindschaft der Konfessionen erwachsen seien und das Land verwüstet hätten. Für Jahrhunderte sei das Verhältnis der Kirchen untereinander vor allem ein Gegeneinander gewesen.

Als Staatsoberhaupt freue er sich deshalb, dass jetzt Versöhnung, Verständigung und Frieden zwischen den Konfessionen wüchsen, betonte Gauck vor rund 400 geladenen Gästen in der St. Michaeliskirche, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. Der Gottesdienst, der live von der ARD übertragen wurde, stand unter der Überschrift "Erinnerung heilen - Jesus Christus bezeugen". Damit setzten Protestanten und Katholiken ihre Aussöhnung zum 500. Reformationsjubiläum fort. Unter den Gästen waren auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle.

Der Bundespräsident sprach von einem weiten Weg, den Protestanten und Katholiken bei ihrer Annäherung schon zurückgelegt hätten: "Wer die Geschichte der getrennten Kirchen in den letzten 500 Jahren einigermaßen im Kopf hat, kommt nicht umhin, im heutigen Ereignis zumindest ein Zusammenspiel menschlicher Anstrengung, guten Willens und gnädiger Hilfe zu entdecken." Die Feindschaft der christlichen Konfessionen habe in der Geschichte "die Seelen verwüstet", sagte Gauck, dessen Amtszeit am 18. März endet. Es habe üble Nachrede und böse Vorurteile gegeben, und bis vor wenigen Jahrzehnten auch viel Leid, wenn Christen über die Konfessionsgrenzen hinweg geheiratet hätten.

Die ökumenischen Anstrengungen dürften deshalb nicht nachlassen, forderte Gauck, der selbst evangelischer Theologe ist: "Es gibt kein Zurück. Versöhnung gibt es nur mit dem Blick nach vorne." Das Vergangene dürfe nicht übermächtig werden und die Zukunft bestimmen. "Das eigentliche ökumenische Wagnis echter Gemeinsamkeit steht den Kirchen noch bevor." Der Gottesdienst in Hildesheim sei dafür ein "sehr hoffnungsvolles Signal". Die Feier war von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gemeinsam mit der katholischen Deutschen Bischofskonferenz vorbereitet worden.

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