TV-Tipp: "Nachtschicht: Ladies First" (ZDF)

20.2., ZDF, 20.15 Uhr: "Nachtschicht: Ladies First"
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Es ist schon seltsam, mit welcher Hartnäckigkeit sich der herausragende Krimiregisseur Lars Becker regelmäßig an Komödien versucht; als wolle er beweisen, dass das Klischee vom Komödianten, der endlich ernst genommen werden will, auch umgekehrt existiert.

Bislang blieb seine herausragende Reihe "Nachtschicht" von diesen Ambitionen verschont, aber damit ist es nun vorbei: "Ladies First" ist der Versuch, unter den üblichen Rahmenbedingungen der Krimis eine Groteske zu erzählen. Natürlich kann so etwas funktionieren, auch wenn Becker damit natürlich ein hohes Risiko eingeht, weil die "Nachtschicht"-Freunde eher einen Thriller als eine Komödie erwarten. Weil es Becker aber nicht gelingt, die gegensätzlichen Genres glaubwürdig miteinander zu kombinieren, ist der Film weder Fisch noch Fleisch. Ein weiteres Manko wiegt womöglich noch schwerer: Wenn die Handlung lustig sein soll, ist sie schlicht nicht witzig. Das gilt vor allem für die Bühnenszenen, bei denen die Gags komplett verpuffen. Aber womöglich war das ja auch Absicht: Wenn Becker entlarven wollte, dass die meisten sogenannten Comedians nicht komisch sind, so ist ihm das bestens gelungen; die Inszenierung der entsprechenden Auftritte im St. Pauli Theater legen allerdings nahe, dass er seinen Film im Gegenteil um eine ungewohnt heitere Note bereichern wollte.

Zu dieser Unentschiedenheit passt die Rolle, die die Hauptfiguren diesmal spielen; Erichsen (Armin Rohde) und Kruse (Christoph Letkowski) überbieten sich geradezu in dilettantischem Verhalten, lassen einen Mörder gleich zweimal laufen und können nicht verhindern, dass ein Dealer in ihrem Wagen erschossen wird. Diese Ebene des Films erzählt Becker jedoch mit gewohnter Glaubwürdigkeit; die Polizisten haben einfach Pech, so was kommt vor. Auch die Geschichte ist interessant, und hätte Becker darauf verzichtet, sie als hybride Komödie zu erzählen, hätte "Ladies First" ein gewohnt guter Krimi werden können: Der bekannte Komiker Jacky Herbst (Jürgen Vogel) hatte mit seinem Ferrari einen Unfall, in den auch die Krankenschwester Emma (Nora von Waldstätten) verwickelt war. Die Frau ist überzeugt, in ihr schlummere ein großes Comedy-Talent, also wäscht eine Hand die andere: Weil Jacky seinen Führerschein abgeben musste, behauptet sein Gagschreiber Holm (Anatole Laubman), er sei gefahren. Emma deckt die Version und darf im Gegenzug bei einem Casting mitwirken, denn Jackys Manager (Henry Hübchen) sucht für das Programm "Ladies First" frisches Blut. Zum Krimi wird die Geschichte, weil Jacky behauptet, ein Heckenschütze habe seinen Reifen zerschossen. Kurz drauf wird aus dem Spaß tödlicher Ernst, als nacheinander erst Holm und dann auch noch Jackys Dealer (Alexander Scheer) ermordet werden.

Wie immer bei Becker ist die Besetzung erlesen, aber diesmal durften seine Gäste ihren jeweiligen Affen offenbar ordentlich Zucker geben; Henry Hübchen zum Beispiel trägt viel zu dick auf, Alexander Dealer führt sich auf, als habe er zu oft "Scarface" gesehen, und die aufgekratzte Nora von Waldstätten war anscheinend derart froh darüber, endlich mal nicht als Eiskönigin engagiert zu werden, dass sie hier mehr Grimassen schneidet zeigt als in all ihren bisherigen Filmen zusammen. Viel interessanter als die missglückte Comedy-Ebene ist ohnehin eine alte Rechnung, die mit Blei beglichen wird: Der Komiker und sein Gagschreiber waren in die Vergewaltigung einer Kollegin verwickelt, die seit geraumer Zeit im Koma liegt. Erichsens Kollegin Lisa Brenner (Barbara Auer) verbeißt sich in diesen Fall und möchte Jacky um jeden Preis überführen.

Unterm Strich will Becker einfach zuviel, zumal es ihm nicht gelungen ist, die verschiedenen Handlungs- und Genre-Ebenen harmonisch miteinander zu verknüpfen, weshalb der Film weder als Krimi noch dramaturgisch echte Spannung aufbaut. Einige Szenen fallen zudem aus dem Rahmen; dass Kriminalpsychologin Brenner ihren Erfolg am Ende nicht genießen kann, weil sie vor sich selbst erschrickt, ist zum Beispiel überhaupt nicht nachvollziehbar. Und eine Bühneneinlage von Erichsen, der die Vorstellung nach dem Mord an Holm für beendet erklärt, vom Publikum aber für einen weiteren Komödianten gehalten wird und in seiner Not zu singen beginnt ("Ihr könnt nach Hause gehen, ihr könnt nach Hause gehen"), ist ebenfalls nur potenziell witzig. Manche Dialoge wirken zudem wie schlecht improvisiert. Richtig gut ist allerdings die Musik (Hinrich Dageför und Stefan Wulff), und Peter Heinrich Brix erfreut durch eine winzige Gastrolle als Reiseführer auf der Reeperbahn.

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