Bedford-Strohm: Kreuz eignet sich nicht zur Machtdemonstration

Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm mit Reinhard Kardinal Marx beim Besuch der ökumenischen Delegation im Heiligen Land beim Besuch der Klagemauer in Jerusalem.

Foto: Thomas Schiller/epd

Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm mit Reinhard Kardinal Marx beim Besuch der ökumenischen Delegation im Heiligen Land beim Besuch der Klagemauer in Jerusalem.

Bedford-Strohm: Kreuz eignet sich nicht zur Machtdemonstration
Den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, haben heftige Reaktionen auf seine Besuche des Tempelberges und der Klagemauer in Jerusalem, bei denen er sein Amtskreuz abgenommen hatte, überrascht und enttäuscht.

Die Polarisierung nehme zu, Fakten würden einfach ignoriert, sagte der bayerische Landesbischof am Montag in seinem Bericht vor der in Bad Reichenhall tagenden Landessynode: "Manche können nur noch in Kategorien von Kampf und Kapitulation denken." Bei der ökumenischen Pilgerreise nach Jerusalem habe er eine "nervöse Stimmung " erlebt, die er sich vorher nicht habe vorstellen können, sagte Bedford-Strohm. "Es ist traurig, wenn die Situation zwischen den Religionen so angespannt ist, dass schon das Tragen eines christlichen Kreuzes als pure Machtdemonstration verstanden wird und Zwietracht sät."

Zum Besuch des Felsendoms und der Klagemauer in Jerusalem am 20. Oktober, als er selbst und sein katholischer Amtsbruder Reinhard Marx, Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, zeitweise ihre Kreuze nicht sichtbar trugen, sagte Bedford-Strohm: "Die besondere Konstellation an diesem Tag hatte die Konsequenz, dass wir am Ende nur noch zwischen zwei Optionen wählen konnten, die sich beide negativ auswirken." Für das Ablegen des Kreuzes war der Ratsvorsitzende in den Sozialen Medien zum Teil heftig kritisiert worden. Er und Reinhard Marx seien damit den Bitten der muslimischen und jüdischen Zuständigen für die heiligen Stätten der jeweiligen Religionen gefolgt, hatte Bedford-Strohm später gesagt und hinzugefügt: "Ich habe als Repräsentant einer Religion die Aufgabe, friedensstiftend zu wirken." Bedford-Strohm im Lutherrock und Marx im Kardinalsgewand waren bei dem Besuch als christliche Geistliche erkennbar.

Das Kreuz als "Symbol der Versöhnung" und der "Selbstentäußerung Gottes in Jesus Christus" eigne sich nicht, um damit Macht oder eine Position zu demonstrieren, sagte Bedford-Strohm vor den Synodalen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern: "Bekennermut ist etwas anderes." Nötig sei vielmehr ein Dialog der Religionen, bei dem das eigene Glaubenszeugnis keine Bedrohung, sondern Grundlage für das "wertschätzende gegenseitige Gespräch" sein sollte. Gerade im interreligiösen Dialog sei die Einsicht von zentraler Bedeutung, "dass Klarheit im Zeugnis und Demut im Auftreten nicht nur kein Widerspruch sind, sondern zusammengehören".

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