Evangelische Kirche wendet sich gegen Judenmission

Evangelische Kirche wendet sich gegen Judenmission
Die evangelische Kirche will einer möglichen Judenmission eine klare Absage erteilen. Christen seien "nicht berufen, Israel den Weg zu Gott und seinem Heil zu weisen", heißt es im Entwurf einer Erklärung.

Zugleich bekennen die Verfasser, dass Menschen den Widerspruch zwischen den unterschiedlichen Bekenntnissen von Christen und Juden nicht lösen können: Das "stellen wir Gott anheim", heißt es.

Es gehe um eine "Absage an alle Formen des Glaubenszeugnisses, die auf Bekehrung von Juden ausgerichtet sind", sagte Vizepräses Klaus Eberl, der den Entwurf vorstellte, in der von der "sogenannten Judenmission" die Rede ist. Die Verabschiedung der Erklärung durch die Synode "wäre ein vertrauensbildendes Signal, auch für den christlich-jüdischen Dialog", sagte Eberl. 

Die Frage, ob Christen Juden davon überzeugen dürfen, dass der Weg zum Heil nur über den gekreuzigten Juden Jesus Christus führt, den sie als Messias betrachten, ist in den vergangenen Jahrzehnten kontrovers diskutiert worden. Einige der 20 evangelischen Landeskirchen haben sich bereits in eigenen Erklärungen gegen die Mission von Juden ausgesprochen, in anderen gibt es unterschiedliche Ansichten dazu. Nachdem sich die EKD-Synode im vergangenen Jahr vom Antijudaismus des Reformators Martin Luther (1483-1546) klar distanziert hatte, kam die Forderung auf, sich noch vor dem 500. Reformationsjubiläum auch zur Judenmission zu positionieren.

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Die judenfeindlichen Aussagen des Reformators Martin Luther (1483-1546) haben nach Auffassung des hannoverschen Landesbischofs Ralf Meister jahrhundertelang in der evangelischen Kirche nachgewirkt.
Wer sich zu Christus bekenne, bekenne sich auch zur bleibenden Erwählung der Juden, sagte der hessen-nassauischen Synodenpräses Ulrich Oelschläger in seiner Predigt zum Auftakt der Herbsttagung.


Die Verfasser des Entwurfs argumentieren hauptsächlich theologisch und berufen sich auf die "bleibende Erwählung Israels": die Überzeugung, dass Gott zunächst mit dem Volk Israel einen Bund geschlossen hat und dann mit den Christen - und beide Vereinbarungen in Treue hält: "Ein christliches Glaubenszeugnis, das darauf zielt, Juden zum Glauben an Jesus als Christus zu bekehren, widerspricht dem Bekenntnis zur Treue Gottes und der Erwählung Israels", heißt es in dem Beschlussvorschlag. Somit hat das Präsidium das Papier "Erklärung zu Christen und Juden als Zeugen der Treue Gottes" genannt.

Das historische Argument, dass sich nach dem Holocaust eine Judenmission sowieso verbiete, wird in nur einem Satz angesprochen: Das Bekenntnis zu "christlicher Mitverantwortung" am nationalsozialistischen Völkermord und das damit verbundene Umdenken habe auch Konsequenzen für ein christliches Zeugnis gegenüber Juden.

Der Entwurf der Erklärung wurde am Sonntagabend vom Präsidium dem Kirchenparlament vorgelegt und dort beraten. Der Text geht nun in den Ausschuss Schrift und Verkündigung und soll zum Ende der Synodentagung in Magdeburg verabschiedet werden.