Friedensexperten: Gegen-Erzählungen zu Propaganda aufbauen

Der Umgang mit Sprache und Propaganda ist nach Ansicht von Friedens- und Sicherheitsexperten extrem wichtig bei der Bekämpfung des islamistischen Extremismus.

Es sollten zum Beispiel "Gegen-Erzählungen" aufgebaut werden, die die Propaganda von Gruppen wie dem sogenannten Islamischen Staat (IS) entlarven, wie aus der Präsentation des diesjährigen Friedensgutachtens am Dienstag in Brüssel hervorging. Kurz nach den Anschlägen in Brüssel im März habe es Tausende von Tweets gegeben, sagte Christiane Höhn, die Beraterin des EU-Koordinators zur Terrorismusbekämpfung Gilles de Kerchove, mit Blick auf den IS. "Keine terroristische Vereinigung ist jemals in den sozialen Medien so erfolgreich gewesen", urteilte Höhn bei der Veranstaltung von Friedrich-Ebert-Stiftung und Evangelischer Kirche in Deutschland (EKD). Gegen solche Propaganda müsse die Zivilgesellschaft mobil machen. Zum Beispiel könnten "Kinder in Molenbeek" unterstützt werden, die Tweets gegen den IS absetzten, sagte Höhn mit Blick auf den berüchtigten Brüsseler Stadtteil, in dem mehrfach Terrorverdächtige festgenommen wurden.

Wissenschaftler: Begriff "Terrorismus" hochproblematisch

"Sprache ist unglaublich wichtig", argumentierte Stephan Hensell von der Universität Hamburg. So sei der Begriff des "Terrorismus" wissenschaftlich hochproblematisch. Zum einen verdecke er, dass bewaffnete Gruppen meist nicht ausschließlich auf eine einzige Strategie wie den Terror setzten. Zum zweiten verlege die Bezeichnung Verhandlungen mit derartigen Gruppen, führte der Forscher aus. Drittens werde der Terminus instrumentalisiert, um Oppositionelle zu kriminalisieren.

Die Europaabgeordnete Rebecca Harms schlug einen Bogen zwischen Propaganda und dem militärischen Vorgehen gegen islamistische Kämpfer und Terroristen. Es spiele diesen in die Hände, wenn Militäroperationen gegen sie auch Zivilisten träfen, sagte die Grünen-Politikerin.

Das Friedensgutachten ist das gemeinsame Jahrbuch von fünf Instituten für Friedens- und Konfliktforschung in Deutschland und wird seit 1987 herausgegeben. Das diesjährige Gutachten war bereits im Juni in Berlin vorgestellt worden.