Kretschmann verteidigt Kirchensteuer

Kretschmann verteidigt Kirchensteuer
Bischof July wirbt für religiöse Erziehung
Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat das deutsche Kirchensteuersystem verteidigt.

Dabei handele es sich genaugenommen nicht um eine Steuer, da die Kirchenmitgliedschaft freiwillig sei, sagte Kretschmann am Donnerstag in Filderstadt bei Stuttgart. Der Einzug der Kirchensteuer sei eine "normale Dienstleistung" des Staates, für die die Kirchen auch bezahlen müssten, betonte der Politiker vor 200 Jugendreferenten des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg (EJW).

Kretschmann sprach sich erneut gegen ein Burka-Verbot aus. Zwar stehe eine Vollverschleierung gegen eine offene Gesellschaft, doch könne man eine solche Offenheit nicht erzwingen. Gesetzliche Kleidervorschriften wären eine Einschränkung der Freiheit und hülfen auch den betroffenen Frauen nicht, sondern würden sie noch weiter aus der Öffentlichkeit verdrängen.

Der Grünen-Politiker dankte den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern in der evangelischen Jugendarbeit für ihren Einsatz. Sie leisteten eine wertvolle Ergänzung und ein Gegengewicht zur Erziehung in Familie und Schule. Deshalb sollten auch Schulrektoren die Zusammenarbeit mit Kirchen und Jugendwerken etwa an Ganztagsschulen unterstützen.

Der Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July, warb für die Fortführung des Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen. "Bildung bewahrt den Glauben vor Fanatismus." July erinnerte daran, dass sich drei Viertel aller Baden-Württemberger zum christlichen Glauben bekennten. Gleichzeitig stehe die Präsenz der Kirchen an öffentlichen Schulen immer häufiger unter Rechtfertigungsdruck.

Der Landesbischof widersprach der Ansicht, dass man Kinder nichtreligiös erziehen sollte, damit sie später einmal selbst entscheiden. Diese Entscheidung bleibe keinem mündigen Menschen erspart, doch sei es ein Irrtum zu meinen, Kinder seien "unbeschriebene Blätter". Auch durch das Vorenthalten von Religion beeinflussten Eltern ihre Kinder, betonte er.

July sprach sich dafür aus, mehr Wissen über andere Religionen zu erwerben. In seiner theologischen Ausbildung hätten andere Religionen keine Rolle gespielt, heute seien Informationen dazu Teil des Unterrichts. Es sei kein Widerspruch zum Dialog mit anderen Religionen, dass er an Ostern muslimische Konvertiten in Stuttgart getauft habe, sagte July. Das Recht, die Religion zu wechseln, sei Teil der Religionsfreiheit.

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