TV-Tipp: "Der Hafenpastor und das Blaue vom Himmel" (ARD)

Foto: Getty Images/iStockphoto/vicnt

TV-Tipp: "Der Hafenpastor und das Blaue vom Himmel" (ARD)
14.10., ARD, 20.15 Uhr: "Der Hafenpastor und das Blaue vom Himmel"
Die Kernidee des dritten Films mit Jan Fedder als protestantischer Pastor auf St. Pauli ist nicht neu, aber so originell verpackt wie in dieser Kiezkomödie war sie selten: Polizist Hanno hat sich Hals über Kopf in eine junge Frau verliebt. Sie kennen sich erst seit wenigen Wochen, aber sie wissen beide: Das ist die große Liebe.

Was sie nicht ahnen: Es ist eine verbotene Liebe. Geschichten dieser Art gab es schon oft, aber diese hat ihren besonderen Reiz: weil Stefan Wild, der auch die Drehbücher zu den beiden anderen Filmen mit Jan Fedder als Hafenpastor Book auf St. Pauli geschrieben hat, seinen Titelhelden mit einem echten Dilemma konfrontiert. Im Rahmen eines Beichtgesprächs gesteht ihm Nachtclubbesitzer Bodo (Uwe Bohm), dass er einst nicht nur Hanno, sondern auch Ina gezeugt hat. Das soll Stefan Book aber für sich behalten, weil sich Bodo nie zur Vaterschaft bekannt hat und jetzt jede Menge Alimente nachzahlen müsste. Book kann nun sehen, wie er das Problem löst: Irgendwie muss er dem Paar die Ehe ausreden, ohne dabei die Wahrheit zu verraten, denn selbstredend ist er an sein Schweigegelübde gebunden. Prompt sind nicht nur Hanno und Ina (Matthias Weidenhöfer, Verena Altenberger) irritiert, dass ausgerechnet der liberale Book plötzlich Enthaltsamkeit predigt, sondern auch Vikarin Anke (Anna Brüggemann), denn Books junge Kollegin ist angesichts ihrer ersten Trauung schon ganz aus dem Häuschen.

Eigentlich bietet die verbotene Liebe Stoff genug, zumal Wild auch Books Schwester Rita (Marie-Lou Sellem) geschickt integriert hat: Die Polizistin und Hanno sind früher zusammen auf Streife gefahren, waren ineinander verliebt und haben sich vorgenommen zu heiraten, wenn sie in fünf Jahren niemand anderen gefunden hätten. Es versetzt Rita zwar einen Stich, als Hanno ihr von Ina erzählt, aber sie erklärt sich trotzdem bereit, die Hochzeit zu organisieren; selbst dann noch, als sich rausstellt, dass Ina, die angebliche Musical-Tänzerin, in Wirklichkeit der Star von Bodos Burlesque-Bar ist. Altenbergers erotische Tanzauftritte sind ziemlich sexy.

Irgendwie musste Wild jedoch auch den Rest des Ensembles unterbringen, allen voran Margarita Broich als Books Freundin. Das funktioniert nicht ganz so überzeugend: Beamtin Sabine hat ihren Rentenbescheid bekommen und erkannt, dass sie nicht den Rest ihres Berufslebens in der Ausländerbehörde verbringen will. Deshalb hat sie sich für zwei Jahre bei einem Entwicklungshilfeprojekt auf Sri Lanka beworben; und Book soll mitkommen. Der hat aber gar keine Zeit, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, und eigentlich will er seine Schäfchen auch nicht im Stich lassen. Noch größerer Fremdkörper im Handlungsrahmen ist ein Nebenstrang mit einem jungen Mann, der ausgerechnet den VW-Bus der Kirchengemeinde klaut und entsprechenden Ärger mit Küster Eddi (Tim Grobe) bekommt. Weil Maik den Wagen bei seiner Flucht gegen einen Pfosten gefahren hat, muss er Eddi nun bei der Reparatur helfen, und natürlich schließen die beiden widerwillig Freundschaft. Die entsprechenden Szenen sind glaubwürdig gespielt und sympathisch, haben aber einen Haken: Maik ist erst 16, weshalb Rita auch beide Augen zudrückt, aber sein Darsteller Laurenz Lerch ist bereits Anfang zwanzig, und so sieht er auch aus.

Regie führte Jan Hinrik Drevs, der bislang vor allem dokumentarisch tätig war – mit einer Ausnahme: 2008 ist "Underdogs" in die Kinos kommen, ein sehenswertes Knastdrama mit Thomas Sarbacher, der auch hier in einer kleinen Rolle mitwirkt (er spielt den Leiter der Hilfsorganisation). Seinen ersten Fernsehfilm hat Drevs unauffällig, aber tadellos inszeniert; die Führung der Schauspieler ist allerdings sehr gut. Gerade Bohm bekommt diesmal mehr Raum, den er nutzt, um dem zwielichtigen Bodo auch sympathische Seiten abzugewinnen. Rita ist als Figur ebenfalls stark aufgewertet worden. Trotzdem ist der nach schwerer Krankheit fast fragil wirkende Jan Fedder als Kirchenmann und vorbildlicher Humanist der uneingeschränkte Star des Films, zumal sich Wild einige schöne Szenen für die Hauptfigur ausgedacht hat. Originell sind zum Beispiel Books Zwiegespräche mit seinem Chef: Wenn er dem Herrn sein Herz ausschütten will, ruft er ihn einfach an und hinterlässt eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter. Da es sich dabei um seinen eigenen Anschluss handelt ("Hier hört der Herr. Ihm kannst du alles sagen"), wird Rita auf diese Weise zufällig zur Mitwisserin des Geheimnisses von Hanno und Ina. Ihre alten Gefühle für den Kollegen sind längst wieder erwacht, aber in einem Akt der Selbstverleugnung sorgt sie dafür, dass die Geschichte zu einem überraschenden guten Ende findet; und das durfte Drevs im Millerntor-Stadion drehen, was dem Film eindrucksvolle Finalbilder beschert.

Einige große Momente..

Es gibt ohnehin einige große Momente, und das gilt keineswegs nur für die geschmackvoll inszenierten Darbietungen in Bodos Bar. Für die aber ganz besonders, zumal sie von sorgsam ausgewählten Liedern untermalt werden; etwa, wenn Ina sich zu Billy Idols "White Wedding" im sexy Hochzeitskleid auf der Bühne räkelt und nun auch klar wird, warum die Verkäuferin im Brautmodengeschäft sie schon kannte, als sie dort gemeinsam mit Rita vorbeischaute. Und natürlich erscheint just jetzt Hanno, weil Türsteher Fetti (markant und sympathisch: Tristan Seith) die Polizei gerufen hat. Sehr hübsch ist auch die Idee, dass Rita ihren Thermosbecher gern am Henkel wie einen Colt um den Finger wirbelt. Als sie Hanno zum ersten Mal wiedersieht, ist sie so überrascht, dass sie prompt Kaffee auf ihr T-Shirt schüttet. Später versucht sie in Stefans Kirche, die Flecken mit Weihwasser zu entfernen, was ihr einen Tadel von Anke einbringt, aber auch unzweifelhaft ihr distanziertes Verhältnis zu Kirche und Religion veranschaulicht.

Themen