Theologin: Armut gefährdet ganze Gesellschaft

Theologin: Armut gefährdet ganze Gesellschaft
Die stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Annette Kurschus, sieht in wachsender Armut eine Gefahr für die gesamte Gesellschaft. Bei Menschen, die von Armut gefährdet sind, sinke das Interesse für Politik nach Zahlen der Bundesregierung um die Hälfte, sagte die westfälische Präses am Freitag in Schwerte.

Wenn Menschen das Gefühl hätten, von der Politik sei nichts zu erwarten, seien nicht nur diese Menschen und die Politik arm dran: "Spätestens, wenn sich andere dieses Gefühl zunutze machen, wird es gefährlich."

Kurschus verwies auf einer Tagung der Evangelischen Kirche von Westfalen zum Thema "Armut ist (k)ein Schicksal" auf das Vorgehen von Gruppen, die "Zielscheiben aufstellen für Frust und Wut". Ohne den Rechtspopulismus explizit zu erwähnen, mahnte die Theologin laut Redetext: "Wenn sie Feindbilder ausrufen, auf die sogar diejenigen, die selbst ganz unten sind, noch herabschauen können: Ja, dann wird es richtig gefährlich für alle und für die Struktur und Kultur unseres Gemeinwesens."


Armut sei angesichts alarmierender Zahlen und erschütternder Schicksale ein dringendes und bedrängendes Thema für Politik, Kirche, Wissenschaft und Gesellschaft, betonte Kurschus auf der Tagung von Politikern und Mitgliedern der westfälischen Kirchenleitung. Sie kritisierte, dass die Spitzengehälter in Unternehmen und Konzernen heute nicht selten bis zu 200 Mal höher seien als die geringsten Löhne, und fügte hinzu: "Wieviel Ungleichheit verträgt eigentlich eine Gesellschaft, die auf der grundlegenden Gleichheit ihrer Mitglieder fußt?"

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