Kirchenpräsident Schad: Missionarische Volkskirche gegen Mitgliederschwund

Der Vorsitzende der Vollkonferenz der Union Evangelischer Kirchen (UEK), der pfälzische Kirchenpräsident Christian Schad, gibt am 06.11.15 der in Bremen tagenden Vollkonferenz seinen Jahresbericht.

Foto: epd-bild/Norbert Neetz

Christian Schad, pfälzischer Kirchenpräsident.

Kirchenpräsident Schad: Missionarische Volkskirche gegen Mitgliederschwund
Angesichts des Mitgliederschwunds in der evangelischen Kirche hat der pfälzische Kirchenpräsident Christian Schad für eine missionarische Volkskirche plädiert.

Die Protestanten müssten deutlicher als bisher ihren Glauben leben und auch öffentlich bezeugen, sagte Schad in Speyer in einem epd-Gespräch, in dem er zu aktuellen kirchlichen Herausforderungen Stellung nahm. Auch wenn die pfälzische Kirche mit ihren rund 534.100 Mitgliedern zahlenmäßig kleiner und ärmer werde, bleibe sie eine "Volkskirche im Wandel".

Die Kirche dürfe sich nicht in eine Nische zurückziehen, sondern müsse in der Mitte der Gesellschaft verortet sein und Verantwortung übernehmen, sagte der Pfälzer Kirchenpräsident, der auch Vorsitzender der Union Evangelischer Kirchen (UEK) ist. Dazu müsse sie ihre Strukturen so anpassen, dass sie auch unter veränderten Bedingungen das Evangelium weitergeben und möglichst viele Menschen erreichen könne. Neue Formen der Kooperation und die Bündelung von Kräften seien unverzichtbar.

Bollwerk gegen religiösen Fundamentalismus

Die 402 pfälzischen Kirchengemeinden blieben "der Wurzelgrund protestantischer Identität" und müssten ein Basisangebot wie Gottesdienste, Seelsorge und kirchliche Amtshandlungen vorhalten, sagte Schad. Zugleich gelte es, sich besser zu vernetzen und Schwerpunkte zu bilden, um unterschiedliche Zielgruppen und Milieus zu erreichen. Die pfälzische Kirche hatte im vergangenen Jahr mehr als 8.500 Mitglieder eingebüßt, auch wenn die Zahl der Austritte um 15 Prozent (832 Personen) auf 4.757 zurückging.

Wo evangelische Christen in einer Minderheitenposition seien - wie in manchen städtischen Gebieten - müsse die Kirche die missionarische Herausforderung offensiv annehmen, appellierte Schad. Für die Kirche sei es eine Chance, dass es in der Gesellschaft eine neue Aufmerksamkeit für Religion und Kirche gebe und Menschen vermehrt auf der Sinnsuche seien. Die religiöse Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern sei für sie eine "Überlebensaufgabe".

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