Fußballer Boateng und Theologe Osten-Sacken erhalten Toleranz-Preis

Fußball-Nationalspieler Jérôme Boateng am 11.05.2016 in Berlin.

Foto: dpa/Jörg Carstensen

Fußball-Nationalspieler Jérôme Boateng wird vom Land Berlin mit dem Moses-Mendelssohn-Preis ausgezeichnet.

Fußballer Boateng und Theologe Osten-Sacken erhalten Toleranz-Preis
Fußballnationalspieler Jérôme Boateng wird für sein soziales Engagement geehrt. Er erhält gemeinsam mit dem Theologen Peter von der Osten-Sacken von Land Berlin den "Moses-Mendelssohn-Preis zur Förderung der Toleranz gegenüber Andersdenkenden und zwischen den Völkern und Religionen", wie die Berliner Senatskanzlei am Donnerstag mitteilte.

Die mit insgesamt 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wird den beiden Preisträger am 6. September 2016 im Berliner Rathaus verliehen. Mit der Ehrung der beiden Persönlichkeiten solle ein deutliches Zeichen gegen Rassismus und Fremdenhass sowie für Aufklärung und Toleranz zwischen den Religionen gesetzt werden, betonte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD). Boateng habe eine beeindruckende Karriere hingelegt. Mit seinem sozialen Engagement und als Fußballer wirke er als Vorbild und Ansporn für Millionen von Jugendlichen, gerade auch aus bildungsfernen Familien, über die Grenzen Deutschlands hinaus.

Von der Osten-Sacken gehöre zu jenen Forschern und christlichen Theologen, "die früh, wiederholt und nachhaltig die Theologie Martin Luthers erforscht und in den Dialog christlich-jüdischer Verständigung eingebracht haben", sagte Müller weiter. Er habe damit eine herausragende Erinnerungs- und Aussöhnungsarbeit für die Zukunft geleistet.

Schattenseiten der Reformation nicht verdrängt

"Boatengs Erfolg hat ihn nie vergessen lassen, wo er aufgewachsen ist. Immer wieder engagiert sich Boateng in sozialen Projekten für Kinder und Jugendliche", erklärte der Regierende Bürgermeister weiter. Mit dem von ihm mitgegründeten Verein MitternachtsSport hole der Fußballnationalspieler Jugendliche aus sozial-schwachen Verhältnissen von der Straße und vermittele ihnen über den Sport Gemeinschaftssinn, Toleranz und Fairplay. "Durch seinen persönlichen Kontakt schenkt er ihnen Selbstvertrauen und Zuversicht. Jérôme Boateng stärkt damit aktiv ihre persönliche Entwicklung und leistet einen unverzichtbaren Beitrag für eine tolerantere Gesellschaft."

Der Theologe von der Osten-Sacken habe in seinen Forschungsarbeiten in den letzten Jahrzehnten auf das problematische Verhältnis Martin Luthers zu den Juden hingewiesen. Zugleich habe einen Weg eröffnet, christlichen Glauben in der Tradition der Reformation für den Dialog zu öffnen. "Er ist damit ein Wegbereiter für ein Reformationsgedenken im nächsten Jahr, das sich aus der Geschichte heraus gemahnt zu Toleranz, Dialog und Achtung der Anderen, aber gleichzeitig die Schattenseiten der Reformation und der Reformatoren nicht verdrängt, sondern thematisiert", betonte Müller.



Jérôme Boateng, Jahrgang 1988, als Sohn einer Deutschen und eines Ghanaers in Berlin geboren und aufgewachsen, steht seit 2011 beim FC Bayern München unter Vertrag. Seit 2009 gehört Boateng zum Team der deutschen Fußballnationalmannschaft.

Peter von der Osten-Sacken, Jahrgang 1940, geboren in Westpreußen studierte zwischen 1959 und 1964 Theologie in Göttingen, Kiel und Heidelberg. 1967 folgten Promotion und 1973 Habilitation in Göttingen. Von 1973 bis 1993 war er Professor für Neues Testament an der Kirchlichen Hochschule Berlin (West). Anschließend wechselte er an die Humboldt-Universität zu Berlin (HUB), wo er von 1993 bis 2005 Professor für Neues Testament und Christlich-Jüdische Studien war. Von 1974 bis 2007 leitete er das Institut Kirche und Judentum, zunächst an der Hochschule und später an der Humboldt-Universität Berlin.

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