Freikirchen: Die Apostolische Gemeinschaft (AG)

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Freikirchen: Die Apostolische Gemeinschaft (AG)
Die Apostolische Gemeinschaft ist aus der Neuapostolischen Kirche hervorgegangen und hat sich zu einer evangelischen Freikirche entwickelt. Ihre Besonderheit bleibt das Sakrament der Versiegelung. Hintergundinformationen im Rahmen unserer Serie "Was glaubt ihr? evangelisch.de besucht Freikirchen".

"Auf der Basis 'Jesus Christus allein' wollen wir als seine Jüngerinnen und Jünger vom Heiligen Geist erweckt und angeleitet Gemeinde Jesu Christi bauen." So heißt es im Leitbild der Apostolischen Gemeinschaft. 1955 aus einer Abspaltung von der Neuapostolischen Kirche entstanden, reichen ihre Wurzeln bis zu einer Erweckungsbewegung um das Jahr 1830 in England und Schottland zurück.

Damals gründeten Geistliche und Laien, die sich von den großen Kirchen nicht mehr angesprochen fühlten, die "Katholisch-Apostolischen Gemeinden". Sie verbreiteten sich auch über die Grenzen Großbritanniens hinaus. Zwölf Apostel wurden als Leiter berufen. Ihre Aufgabe sahen sie darin, die Kirche bis zur Wiederkunft Christi zu vollenden und zu einigen. Die Wiederkunft erwarteten sie noch zu ihren Lebzeiten.

Als dies nicht eintraf, kam es im Jahr 1863 zum Bruch: Der deutsche Teil der Gemeinschaft spaltete sich ab und wurde schließlich zur Neuapostolischen Kirche (NAK). Hier konzentrierte sich die Macht zunehmend auf einen einzigen Apostel, den sogenannten Stammapostel. Die ökumenische Einstellung zu anderen Konfessionen wurde zurückgedrängt.

Das Sakrament der Versiegelung

Als in den 1950er Jahren der damalige Stammapostel der NAK das Dogma verkündete, die Wiederkunft Christi finde noch zu seinen Lebzeiten statt, verließen der hochrangige NAK-Mitarbeiter Peter Kuhlen und mit ihm etwa 10.000 Gemeindemitglieder aus dem Apostelbezirk Düsseldorf die NAK und gründeten am 23. Januar 1955 eine eigene Kirche, die sich heute Apostolische Gemeinschaft (AG) nennt.

Charakteristisch für die Apostolische Gemeinschaft ist das Eintunken der Hostie in den besonderen Abendmahlskelch.

Heute gibt es in Deutschland nach Angaben der Gemeinschaft 57 Gemeinden mit insgesamt knapp 5000 Gläubigen, die meisten von ihnen in Nordrhein-Westfalen. Die Mitgliedschaft wird durch Beitritt erklärt. Neben Taufe und Abendmahl kennt die AG als Besonderheit auch das Sakrament der Versiegelung: Darin feiert sie den Heiligen Geist, den der oder die Gläubige empfangen hat. In apostolischen Gemeinden wird die Kindertaufe praktiziert, die Taufen anderer Kirchen werden anerkannt. Das Abendmahl wird als Gedächtnismahl gefeiert. Es gelten die altkirchkirchlichen und das apostolische Glaubensbekenntnis.

Die Apostolische Gemeinschaft hat die Rechtsform eines eingetragenen Vereins und finanziert sich über die Spenden ihrer Mitglieder. Die Amtsträger und Mitarbeiter arbeiten alle ehrenamtlich, bundesweit sind nur einige leitende Mitarbeiter hauptberuflich angestellt. Da die Mitgliederzahlen sinken, sinken auch die Einnahmen des Vereins. "Finanziell geht es uns nicht besonders gut, die großen Gebäude zu erhalten kostet auch einiges", erklärt Ruth Lieberth, seit August 2015 Hirtin der AG.

"Eindeutig eine evangelische Freikirche"

"Wir haben eine Entwicklung durchgemacht von der Sekte zur Freikirche", sagt ihr Mann Detlef Lieberth, Leitender Apostel und Geschäftsführer der AG. Ursprünglich hatte man vieles so weitergeführt, wie man es aus der NAK kannte. Seit den 1970er Jahren aber setzte ein Reformprozess ein, bei dem Kirchen-, Amts- und Sakramentsverständnis theologisch neu ausgerichtet wurden. "Wir haben unsere Grundlagen überprüft und haben das abgestreift, was biblisch nicht haltbar ist", beschreibt Detlef Lieberth diesen Prozess, "so beispielsweise auch die Auffassung, dass beim Sakrament  der Versiegelung der Heilige Geist gespendet werde." So ist es Tradition in der Neuapostolischen Kirche. "Kein Mensch aber", sagt Detlef Lieberth, "kann über den Heiligen Geist verfügen."

"Sie ist eindeutig eine evangelische Freikirche", sagt Dirk Spornhauer vom Konfessionskundlichen Institut der EKD über die Apostolische Gemeinschaft. Auch bei der Pfingstbewegung würden Apostel eingesetzt, so Spornhauer. Und auch in anderen evangelischen Freikirchen gebe es besondere Lehrausprägungen, wie zum Beispiel die Erwachsenentaufe bei den Baptisten. "Dadurch stehen sie aber nicht außerhalb des evangelischen Spektrums."

"Wir haben uns im Vorstand dieselbe Frage gestellt", erinnert sich Detlef Lieberth: "Sind wir denn evangelisch?" Damals war es um die Aufnahme in die VEF, die Vereinigung evangelischer Freikirchen, gegangen. Seit dem vergangenen Jahr hat die AG dort Gaststatus. In der ACK, der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, ist sie seit März Gastmitglied. "Wenn man das Wort 'evangelisch' als 'vom Evangelium her kommend' definiert, dann steht es außer Frage, dass wir evangelisch sind", sagt der Leitende Apostel.

Infos zur Serie
Warum gibt es so viele evangelische Freikirchen in Deutschland? Wo kommen sie her, was glauben sie? evangelisch.de stellt in der Serie "Was glaubt ihr? evangelisch.de besucht Freikirchen" 16 Glaubensgemeinschaften vor.