Käßmann: Biblische Geschichten gehören in nicht-kirchliche Kitas

Käßmann: Biblische Geschichten gehören in nicht-kirchliche Kitas
Nicht nur in kirchlichen Kindertagesstätten sollten nach Ansicht der evangelischen Theologin Margot Käßmann biblische Geschichten erzählt werden. Diese Geschichten seien ein Kulturgut und vermittelten christliche Werte wie Barmherzigkeit, sagte Käßmann am Donnerstagabend in Stuttgart bei der Vorstellung ihres neuen Buchs "Im Zweifel glauben".

Die derzeitige Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge in Deutschland zeige, dass Barmherzigkeit, das Land geprägt habe und gelebt werde, betonte die frühere Bischöfin, die Botschafterin des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das Reformationsjubiläum 2017 ist. Käßmann sprach sich für einen Glauben aus, der Zweifel zulässt: "Wenn wir nicht frei denken, werden wir dem Fundamentalismus nichts entgegensetzen können." Bei den theologisch konservativen Evangelikalen sehe sie manchmal die Furcht davor, dass zu viel Denken den Glauben unterminieren könnte. Sie selbst lebe trotz mancher Zweifel in dem Vertrauen, dass Gott sie trage und halte.

Die Theologin bedauerte, dass junge Menschen oft meinten, über die Kirche schon alles zu wissen, tatsächlich aber nur geringe Kenntnisse über die Inhalte des christlichen Glaubens hätten. Andererseits biete die Kirche zu wenige Räume, in denen diese Menschen ihre Fragen stellen könnten.

Als "unanständig" bezeichnete es Käßmann, wenn in einer Familie der Hauptverdienende aus der Kirche austrete, während der Partner Mitglied bleibe, damit der Taufe der Kinder nichts im Wege stehe.

Beim Schreiben des Buches habe sie das alle Kirchen verbindende apostolische Glaubensbekenntnis neu schätzen gelernt, sagte Käßmann. Müsste im Jahr 2015 eine internationale Kommission aus allen Konfessionen niederschreiben, worin es im christlichen Glauben geht, würde das Ergebnis viele Ordner füllen. "Wer würde das heute in 103 Worten schaffen?", fragte sie.

Kritisch sieht sie die Aussage des Bekenntnisses, dass Jesus Christus von der Jungfrau Maria geboren wurde. Da Jesus als Sohn Gottes auch ganz Mensch gewesen sei, könne sie nicht verstehen, warum er nicht durch eine sexuelle Handlung entstanden sein solle. Die evangelische Kirche habe zum ersten Mal 1971 offiziell Sexualität als "gute Gabe Gottes" bezeichnet. Wo Sexualität in Liebe, gewaltfrei und "auf Augenhöhe", praktiziert werde, sei sie auch bei Homosexuellen eine "wunderbare Erfahrung, die Gott in seiner Schöpfung gewollt hat".