Flüchtlingspolitik: EKD und schwedische Kirche warnen vor Entsolidarisierung

Ein Mann hält einen Zettel mit der Aufschrift "NO BORDER" am Zaun des geschlossenen Grenzübergang nach Ungarn bei Horgos in Serbien hoch.

Foto: dpa/Gregor Fischer

Geschlossener Grenzübergang nach Ungarn bei Horgos in Serbien.

Flüchtlingspolitik: EKD und schwedische Kirche warnen vor Entsolidarisierung
Wenige Tage vor dem EU-Sondergipfel zur Flüchtlingspolitik warnen die evangelischen Kirchen in Schweden und Deutschland vor einer politischen Entsolidarisierung der Europäischen Union.

"Es muss dringend eine ernsthafte Einigung auf eine effektive europäische Flüchtlingspolitik erzielt werden", schreiben die schwedische Erzbischöfin Antje Jackelén und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, in einer gemeinsamen Stellungnahme, die am Montag in Hannover veröffentlicht wurde.

"Zäune aufzurichten, um den eigenen Wohlstand vor der Not der anderen zu schützen, kann für ein Europa, das sich auf christliche Grundorientierungen beruft, kein Weg sein", unterstreichen die beiden Bischöfe im Hinblick auf die Errichtung von Grenzzäunen in einigen EU-Mitgliedstaaten. Deutschland und Schweden gehören in der EU zu den Hauptzielländern für die Flüchtlinge.

Sichere Zugangswege für Flüchtlinge nach Europa eröffnen

Vordringlich ist es laut Jackelén und Bedford-Strohm, sichere Zugangswege für Flüchtlinge nach Europa zu eröffnen. So empfehlen sie großzügige Flüchtlingskontingente und humanitäre Visa für eine reguläre Einreise in die EU. Auch sollte über Familienzusammenführung und Stipendien der Zugang nach Europa ermöglicht werden. Mitmenschlichkeit sei eine der größten menschlichen Stärken. "Ohne sie verarmt auch eine reiche Gesellschaft", mahnen die Bischöfe.

In der EU dürften die Prinzipien Solidarität und gemeinsame Verantwortung nicht nur gelten, "wenn es um Wirtschaft und Finanzen geht, sondern auch und besonders, wenn es um Menschen geht", heißt es in dem deutsch-schwedischen Kirchenwort. Aufrufe zu Abgrenzung und Abschottung widersprächen den christlichen Werten. "Nächstenliebe und Mitmenschlichkeit dürfen in dieser humanitären Katastrophe auf unserem Kontinent nicht infrage stehen", fordern die Bischöfe.

Die internationale Gemeinschaft sehen der EKD-Ratsvorsitzende und die schwedische Erzbischöfin bei der Bekämpfung von Fluchtursachen in den Herkunftsländern der Flüchtlinge gefordert. Gefragt seien diplomatische Anstrengungen, um eine friedliche Lösung etwa des Konfliktes in Syrien zu erreichen. Zudem müsse die Staatengemeinschaft "Terrorgruppen und Unterdrückern" den Zugang zu Waffen und Geld versperren.

Die aus Deutschland stammende Jackelen ist seit Juni 2014 als Erzbischöfin höchste Repräsentantin der Kirche von Schweden. Zuvor war die Theologin sieben Jahre lutherische Bischöfin von Lund. Der bayerische Landesbischof Bedford-Strohm ist seit November Vorsitzender des Rates der EKD.

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