Menschenrechtler: Modefirmen geizen mit Hilfen nach Fabrik-Einsturz

Menschenrechtler: Modefirmen geizen mit Hilfen nach Fabrik-Einsturz
Zwei Jahre nach dem Einsturz des Fabrikhochhauses Rana Plaza in Bangladesch stehen nach Angaben von Menschenrechtlern noch immer dringend benötigte Entschädigungen von Modeketten aus.

In Deutschland stünden vor allem NKD, Adler Modemärkte und Kids Fashion in der Pflicht, sagte Berndt Hinzmann vom Inkota-Netzwerk dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Es erhärtet sich der Verdacht, dass die Unternehmen weiter darauf setzen, dass die Zeit die Wunden vergessen macht", kritisierte er. Bei dem Unglück am 24. April 2013 waren etwa 1.200 Beschäftigte getötet worden. Mindestens 2.000 wurden verletzt.

Der italienische Moderiese Benetton bewegte sich am Freitag. Das Unternehmen kündigte 1,1 Millionen US-Dollar für einen Entschädigungsfonds in Bangladesch an, blieb damit aber deutlich unter den Erwartungen. Benetton habe seinen Gewinn im Unglücksjahr 2013 um über zwölf Prozent auf etwa 245 Millionen Dollar gesteigert, erklärte Hinzmann. Deshalb sei die Forderung nach fünf Millionen Dollar Beitrag zum Fonds durchaus gerechtfertigt. Der Gewinn sei auch dank dem Profit aus Rana-Plaza-Kleidung erzielt worden, sagte der Referent des Inkota-Netzwerks, das der Kampagne für Saubere Kleidung angehört.

Zu einer angemessenen Entschädigung der Opfer und Hinterbliebenen der Rana-Plaza-Katastrophe sind nach Berechnungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) 30 Millionen Dollar nötig. In den freiwilligen Fonds hätten internationale Unternehmen - ohne  Benettons Beitrag - 21 Millionen eingezahlt, sagte Hinzmann. Die Opfer hätten auch erste Auszahlungen erhalten. "Doch das ist bei weitem nicht ausreichend."



Nach starkem öffentlichen Druck habe inzwischen auch KiK eingezahlt, erklärte Hinzmann. Gemessen am Umsatz des deutschen Textildiscounters wäre aber eine höhere Summe angebracht. "Es ist positiv, dass der Fonds eingerichtet wurde, dass eingezahlt wurde, dass Auszahlungen erfolgten." Wermutstropfen sei aber, dass alles auf Freiwilligkeit beruhe.

Allerdings hat laut Hinzmann der Druck der Öffentlichkeit viel bewirkt. "Unternehmen bewegen sich, weil sie merken, dass das Thema auf der öffentlichen und politischen Agenda geblieben ist. Nun müssen endlich politische Rahmenbedingungen geschaffen, damit es nicht alleinig bei der Freiwilligkeit bleibt."

Auch bei Arbeitsplatzsicherheit und Arbeiterrechten verzeichnet Bangladesch nach Worten erste greifbare Erfolge. So habe es Inspektionen in rund 1.200 Firmen gegeben, in denen zahlreiche Nachbesserungen angemahnt und vielfach schon vorgenommen worden seien. Und in vielen Fabriken hätten sich mittlerweile Betriebskomitees gegründet, die sich um Sicherheit und Gesundheit sorgen und den Arbeitern eine Stimme geben.

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