Bluttest auf Down-Syndrom in der Kritik

Kind mit Down-Syndrom

Foto: dpa/Uli Deck

Die einjährige Irma Schulz hat Down-Syndrom

Bluttest auf Down-Syndrom in der Kritik
Deutsche Behindertenverbände kritisieren den "Praena"-Test. Und besorgte Parlamentarier aller Fraktionen wenden sich mit einer Anfrage an die Bundesregierung.
23.03.2015
mit Material von epd
evangelisch.de

Die Lebenshilfe und die Down-Syndrom-Fachverbände machen Front gegen den Einsatz des umstrittenen Praena-Tests als Vorsorgeuntersuchung. "Wir wenden uns nicht generell gegen den Test. Sein Einsatz als Reihenuntersuchung ist ethisch jedoch hoch problematisch und sogar gefährlich", sagte die Lebenshilfe-Bundesvorsitzende Ulla Schmidt am Dienstag in Berlin. Die Untersuchung vermittele den Eindruck, es sei ein perfektes Kind möglich. "Damit gefährdet sie die Akzeptanz von Menschen in all ihrer Unterschiedlichkeit", argumentierte die frühere Bundesgesundheitsministerin (SPD).

Mit dem Vorsorgetest lässt sich durch eine Blutentnahme bei der werdenden Mutter bereits in der frühen Schwangerschaft das Vorliegen einer Trisomie 21 (Down-Syndrom) feststellen. Der Praena-Test wurde in Deutschland im Sommer 2012 zugelassen. Derzeit übernehmen etwa 20 Krankenkassen die Kosten auf Antrag.

Praena-Test als reguläre Schwangerenvorsorge

Gegenwärtig berät der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen (GBA) über die Erprobung des Praena-Tests. Der GBA entscheidet darüber, welche Untersuchungen in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung aufgenommen werden.

Die Firma LifeCodexx, die den Praena-Test anbietet, hat die Erprobung beantragt, um seinen Einsatz als reguläre Schwangerenvorsorge zu erreichen. Eine solche Untersuchung stellt aber laut Lebenshilfe das Lebensrecht von Menschen mit Trisomie 21 infrage.

Dazu komme die nicht unerhebliche Zahl falscher positiver Testergebnisse, betonte die Organisation. Die Tests zeigten eine Behinderung an, obwohl das Kind nicht behindert ist. Eine von der gesetzlichen Krankenversicherung finanzierte Reihenuntersuchung, die gezielt nach Kindern mit Down-Syndrom sucht und ihr Leben zur Disposition stellt, steht laut Schmidt zudem im Widerspruch zur Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen.

Parlamentarier fürchten Konsequenzen aus Bluttest

Auch mehr als 150 Bundestagsabgeordneten bereitet der Praena-Test offenbar Unbehagen. Wie Vertreter aller vier Fraktionen am Freitag mitteilten, haben sie gemeinsam eine parlamentarische Anfrage an die Bundesregierung gestellt. Das Erprobungsverfahren zur Übernahme als Krankenkassenleistung, das momentan läuft, lasse bislang keinen Raum für die notwendige gesellschaftliche Diskussion über die Konsequenzen, heißt es in dem Papier.

Das breite Bündnis der Parlamentarier fürchtet offenbar, dass künftig mehr Abtreibungen stattfinden, wenn die Kassen den Test als Leistung erstatten. Bislang müssen die Frauen die Kosten zwischen 485 und 825 Euro selbst tragen. In der Anfrage argumentieren die Abgeordneten, in Dänemark, wo der Bluttest seit 2005 allen Schwangeren angeboten wird, habe sich seitdem die Zahl der mit Down-Syndrom geborenen Kinder halbiert.

Mögliche Folgen politisch bewerten

"Wir möchten sicherstellen, dass keine Entscheidungen getroffen werden, ohne dass mögliche Folgen politisch bewertet werden", erklärten die Abgeordneten Hubert Hüppe (CDU), Dagmar Schmidt (SPD), Kathrin Vogler (Linke) und Corinna Rüffer (Grüne). In der Anfrage erkundigen sich die Abgeordneten unter anderem nach der Entwicklung der Zahlen von Geburten von Kindern mit dem Gen-Defekt Trisomie 21, der aktuellen Studienlage und der Einschätzung der Bundesregierung. Den Angaben zufolge ist es seit der deutschen Einheit die erste Anfrage, an der sich Vertreter aller Fraktionen beteiligen.

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