TV-Tipp des Tages: "Begierde - Mord im Zeichen des Zen" (ARD)

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TV-Tipp des Tages: "Begierde - Mord im Zeichen des Zen" (ARD)
TV-Tipp des Tages: "Begierde - Mord im Zeichen des Zen", 5. Februar, 20.15 Uhr im Ersten

Wenn das Begehren übermächtig wird, wandelt es sich zur Begierde, und das geht selten gut; erst recht nicht im Krimi. Trotzdem ist "Mord im Zeichen des Zen", die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Oliver Bottini, kein TV-Krimi wie die meisten anderen; im Gegenteil. Angesichts der drei Frauen, die diesen Film maßgeblich geprägt haben, ist das allerdings kein Wunder: Autorin Hannah Hollinger hat über ein Dutzend Vorlagen für Filme von Matti Geschonneck verfasst, darunter diverse düstere Thriller ("Entführt", "Todsünde"); und Brigitte Maria Bertele, 2014 mit dem Grimme-Preis für "Grenzgang" ausgezeichnet, hat überhaupt noch keinen Krimi gedreht. Dafür lotet sie in ihren Filmen ("Nacht vor Augen", "Der Brand") regelmäßig seelisches Leid aus. Das macht sie zur richtigen Regisseurin für diesen Stoff, dessen Antiheldin eine Art Expertin für menschliche Abgründe ist: Hauptkommissarin Louise Boni lebt selbst in einem.

 

Schon allein die Entscheidung, diese Figur zur Protagonistin einer Reihe zu machen, ist ausgesprochen respektabel. Hollinger beschreibt sie als "Frau, die so unschön wie schön, so einfühlsam wie unnahbar, so gierig wie zerbrechlich, so verunsichert wie ruhelos ist"; und exakt auf diese Weise wird diese Figur von Melika Foroutan verkörpert. Die Polizistin ist unübersehbar Alkoholikerin und trinkt auch im Dienst; sie ist traumatisiert, seit sie bei einem Einsatz von den männlichen Kollegen im Stich gelassen wurde und einen Mann erschießen musste; und außerdem gibt es Probleme in ihrer Familie, die im Auftaktfilm aber nur angedeutet werden.

Und dann ist da noch der Fall, der zunächst überhaupt keiner ist. Die Geschichte kommt nur deshalb ins Rollen, weil Boni gegenüber ihrem Chef (Anian Zoller) stur auf ihrer Intuition beharrt: Ein junger japanischer Zen-Mönch irrt einsam und schwer verletzt durch eine unwirtliche Gegend, will sich aber nicht helfen lassen. Er wirkt wie eine Traumfigur, und das ist wohl auch der Grund, warum er die Kommissarin so beeindruckt. Sie besucht das Kloster des Mannes, kann dort aber nichts Verdächtiges entdecken; neben den Mönchen leben hier auch einige Kinder aus Asien, die auf deutsche Adoptiveltern warten. Weil Boni nicht locker lässt und schließlich selbst in Lebensgefahr gerät, kommt sie schließlich einem furchtbaren Verbrechen auf die Spur.

Bottini hat seine bislang fünfteilige Romanreihe mit Louise Boni in Freiburg angesiedelt. Der WDR hat der Reihe den etwas plakativen Sammeltitel "Begierde" gegeben und die Ermittlerin nach Aachen umgesiedelt. Im Grunde könnte die Verfilmung von "Mord im Zeichen des Zen" überall spielen, aber dank der nahen Eifel gibt es reizvolle Schauplätze, zumal die Region als Dreiländereck nicht unwichtig für die Geschichte ist. Dass das Wetter zu Beginn im Minutentakt von Schnee über Sonne zu Nebel umzuschlagen scheint, irritiert zunächst, unterstreicht aber die Traumhaftigkeit der Auftaktsequenz, zumal Kamerafrau Bella Halben teilweise grandiose Bilder gestaltet hat.

Blickfang des Films ist trotzdem Foroutan, die ihre ruhelose Kommissarin dank der "Smokey Eyes" wie ein Geschöpf der Nacht wirken lässt. Schon in der Schätzing-Verfilmung "Die dunkle Seite" hat die Schauspielerin eine Privatdetektivin als harten Burschen verkörpert. Louise Boni ist sogar eine noch männlichere Figur, denn die Rollen einsamer Wölfe sind traditionell Männern vorbehalten; erst recht, wenn sie ihre innere Leere mit Alkohol füllen. Kein Wunder, dass die Ermittlungsebene zugunsten des Kampfs der Hauptfigur mit sich selbst mitunter in den Hintergrund rückt. Aber Regisseurin Bertele schwebte ohnehin ein Werk "abseits der normierten Schnitzeljagdkrimis" vor. Das ist ihr ohne Frage gelungen; "Mord im Zeichen des Zen" ist alles andere als ein gewöhnlicher gefälliger Fernsehfilm.