Die belarussische Bürgerrechtlerin Maria Kalesnikava fordert jeden Einzelnen dazu auf, sich aktiv für die Menschenrechte einzusetzen. "Entscheidend ist das Handeln selbst, jeden Tag", sagte die 43-jährige Künstlerin bei Eröffnung der Ausstellung "Zusammen. Frei und Gleich." zu den Menschenrechten am Wochenende in Bremen.
Demokratie sei kein Geschenk, sondern brauche Beteiligung. Das Engagement lohne sich, auch in nahezu aussichtslosen Situationen.
Die Aktivistin war als eine der Anführerinnen des Widerstands gegen die diktatorische Herrschaft des belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko im September 2020 festgenommen und später wegen angeblicher Verschwörung zur Machtergreifung zu elf Jahren Haft in einem Straflager verurteilt worden. Im vergangenen Dezember war sie auch auf internationalen Druck aus politischer Gefangenschaft entlassen worden.
"Man kann für Menschen kämpfen, auch wenn alle sagen, dass es keinen Sinn hat", sagte Kalesnikava. Das habe sie selbst erlebt. "Dass ich frei bin, ist vielen Menschen zu verdanken", betonte die Bürgerrechtlerin und ergänzte, Europa sei stark genug, Demokratie und Freiheit zu bewahren. "Das hängt aber nicht von einem abstrakten Europa ab, sondern von uns, ob wir etwas tun. Oder nur reden."
Alltäglich wichtig
Unter dem Titel "Zusammen. Frei und Gleich." ist die Menschenrechts-Ausstellung als Initiative der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bis zum 27. Mai in der Kirche Unser Lieben Frauen Bremen-Stadtmitte zu sehen. Danach soll sie bundesweit gezeigt werden, so bis zum Jahresende in Nienburg, Braunschweig, Merseburg, Steinfurt und Berlin.
Wir sehr Menschenrechte unseren Alltag bestimmten, sei vielen nicht bewusst, sagte Miriam Menzel, die Kuratorin der Ausstellung. "Zum Beispiel beim Zeitungslesen am Frühstückstisch das Recht auf Meinungsfreiheit, in der Schule das Recht auf Bildung, beim Job das Recht auf Arbeit."
Aufruf zum Engagement
Die am 10. Dezember 1948 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedete Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, das wird in der Schau schnell klar, hat direkten Einfluss auf das Leben jedes Einzelnen. Und sie steht unter Druck, auch in Deutschland. "Menschenrechte werden zunehmend als lästig behandelt, inhaltlich abgelehnt oder gar als Ideologie verunglimpft", warnte das Deutsche Institut für Menschenrechte im vergangenen Jahr bei der Vorstellung des zehnten Menschenrechtsberichtes an den Bundestag.
"Die Menschenrechte, die uns schützen sollen, brauchen selbst Schutz", betonte Menzel. Die Schau soll Informieren und animieren. Informationen finden die Besucher unter anderem auf großen Luftkissenelementen, an Stecktafeln oder Video- und Audiostationen. Auch können sie selbst Vorschläge machen, wie Menschenrechte im Alltag geschützt werden können.
Wobei das Konzept der Schau bewusst auf eine hoffnungsbasierte Erzählweise setzt. "Es geht um die Frage, wie wir uns lokal engagieren können, damit Menschenrechte leben", verdeutlichte Menzel. Exemplarisch werden alltagsnah insbesondere die Menschenrechte auf Bildung, Wohnen sowie Religions- und Weltanschauungsfreiheit in den Blick genommen.
Bundesweit zu sehen
Beispiel Wohnen, das als Teil angemessener Lebensstandards in Artikel 25 der Menschenrechtserklärung vorkommt: Die Vorschläge auf Infotafeln der Ausstellung zum Engagement reichen von Gemeinschaftsgärten über Nachbarschaftsplattformen bis zu Mehrgenerationen-WGs. Eine der zentralen Botschaften der Ausstellung bei allen Vorschlägen: Gemeinsam kommt man besser voran, auch wenn es manchmal nahezu aussichtslos erscheint.
"Wir sind überzeugt, dass jede und jeder von uns jeden Tag etwas für den Schutz der Menschenrechte tun kann und auch tun muss", sagt Kuratorin Menzel. Sie freut sich, dass die Ausstellung als Teil der EKD-Menschenrechtsinitiative "Frei und Gleich" nach dem Start in Bremen bundesweit weiterwandert und für die nächsten zwölf Monate schon ausgebucht ist.
Und warum der Auftakt in der Bremer Liebfrauenkirche? Ein Grund dafür steht nur ein paar Schritte von der gotischen Kirche entfernt - die Bronzeplastik der Bremer Stadtmusikanten, die an das berühmte Märchen der Gebrüder Grimm erinnert. Die Botschaft der rebellischen tierischen Rentner: Herkunft, Einsamkeit, Arbeitslosigkeit - es kann im Leben viele Hürden geben. Aber keine ist so hoch, dass sie nicht mit Mut und Solidarität zu überwinden wäre. Gemeinsam.



