Müntefering rügt Haltung der Sterbehilfe-Befürworter

Selbstbestimmtes Sterben - Thema bei Jauch

Foto: dpa/Paul Zinken

Müntefering rügt Haltung der Sterbehilfe-Befürworter
Der SPD-Politiker Franz Müntefering wirft einem Teil der Sterbehilfe-Befürworter vor, sei seien "Selbstbestimmungsenthusiasten".

Deren Haltung, man müsse jederzeit in seinem Leben selbst entscheiden können, ob man sterbe wolle oder nicht, werte er als gefährlich, sagte Müntefering in der Wochenzeitung "Die Zeit". "Wer so spricht, muss sich genau überlegen, was er damit auslöst - bei denen, die behindert sind, krank oder pflegebedürftig."

Diese Position bringe die auch Gefahr mit sich, dass man Menschen leichtfertig aufgibt, die nur mal ein Tief hätten. "Es ist geradezu absurd, die Vernichtung der Existenz mit dem Hinweis auf das Selbstbestimmungsrecht zu befördern", argumentiert der frühere SPD-Vorsitzende und Bundesminister. Dies sei Ausdruck einer gewissen "bürgerlichen Attitüde", die ein Stück Egozentrik und Arroganz enthalte.

"Es geht um die Würde des Menschen"

"Otto Normalverbraucher denkt nicht so", ergänzt Müntefering. Er zog auch Umfragen in Zweifel, wonach 70 Prozent der Deutschen aktive Sterbehilfe befürworten. Vielen sei der Unterschied zwischen aktiver Sterbehilfe (Tötung auf Verlangen) und passiver Sterbehilfe, bei der auf lebensverlängernde Maßnahmen verzichtet wird, nicht bekannt.

Für die Selbsttötung des ehemaligen MDR-Intendanten Udo Reiter, der ein Verfechter der aktiven Sterbehilfe war, äußerte der Sozialdemokrat Respekt. Dennoch sei dessen Haltung "rücksichtslos gegenüber allem und allen". Müntefering: "Das Leben ist so einzigartig und wichtig, dass ich jeden ermutige, zu sagen: Nimm so viel davon, wie du kannst. Und geh nicht beiseite." Und er ergänzt: "Das Leben ist eine tolle Sache. Es ist eine einmalige grandiose Chance, die wir haben."

Eine bessere Antwort auf die Sorgen der Menschen und die Probleme von Alten und Kranken sei der Ausbau der Hospizangebote und der Palliativmedizin, sagte Müntefering. Zusammen mit den Patientenverfügungen habe dies dazu geführt, dass sich seit 1980 die Zahl der Selbsttötungen auf rund 9.800 im vergangenen Jahr nahezu halbiert habe, sagte Müntefering. Religiöse Erwägungen spielten für ihn in dieser Debatte keine Rolle. "Da geht es nicht um Religion, sondern um den Artikel eins des Grundgesetzes, um die Würde des Menschen", sagte der 74-jährige SPD-Politiker.

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