Studie: Zu viel Fleisch und zu wenig Gemüse in Schulkantinen

Zu wenig Gemüse in Schulkantinen

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In deutschen Schulkantinen kommt zu wenig Gemüse auf den Tisch.

Studie: Zu viel Fleisch und zu wenig Gemüse in Schulkantinen
In nicht einmal jeder dritten Schule in Deutschland gehört ein Salatbuffet standardmäßig zur Mittagsverpflegung. Angesichts langer Transportwege und Warmhalte-Zeiten kämen zudem allzuoft ungeeignete Gemüsesorten auf den Tisch.

Zu viel Fleisch, zu wenig Gemüse und kaum Zeit zum Essen: Eine Studie sieht Defizite bei der Schulverpflegung in Deutschland. Zwar habe sich in den vergangenen Jahren Vieles verbessert, aber Ziel müssten Bestnoten bei der Schulverpflegung sein, sagte Ernährungsminister Christian Schmidt (CSU) am Dienstag beim Bundeskongress Schulverpflegung in Berlin. Er sprach sich für verbindliche Qualitätsstandards aus. Das Deutsche Kinderhilfswerk forderte ein Umdenken beim Schulessen.

Laut der Studie sind bei Gemüse, Salat und Rohkost die Anforderungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung nicht erfüllt worden. Zudem komme Fleisch noch zu häufig in den Gerichten vor. Mit Blick auf lange Transport- und Warmhaltezeiten tauchten zu viele ungeeignete Gemüsesorten auf, sagte die Autorin der Studie, Ulrike Arens-Azevedo. Grundsätzlich ist Deutschland nach ihrer Ansicht aber auf einem guten Weg. Für die Studie wurden bundesweit 760 Speisepläne ausgewertet sowie 12.000 Schüler und etwa 3.500 Schulleiter befragt.

Verbesserungsbedarf sieht die Untersuchung bei der Essensauswahl. So wird in jeder zweiten Grundschule nur ein Menü zum Mittag angeboten. Bei den weiterführenden Schulen sind es noch 25 Prozent. An jeder dritten Grundschule und jeder zweiten weiterführenden Schule stehen immerhin zwei Essen zur Auswahl. Ein Salatbuffet gehört in 29,6 Prozent der Fälle zum Standard. In jedem zweiten Schulhaus werden Süßigkeiten als Verpflegung für zwischendurch angeboten.

Unterschiedlich ist in den Bundesländern die Teilnahme am Essen. In Bremen sind es an Grundschulen 94 Prozent der Schüler, in Niedersachsen dagegen nur 33. Spitzenreiter unter den weiterführenden Schulen ist Berlin mit 57 Prozent aller Schüler. Niedersachsen und Schleswig-Holstein sind mit 18 Prozent Schlusslichter. Generell sei der Anteil der Schüler aber zu niedrig, unterstrich Arens-Azevedo. An den Grundschulen beträgt der durchschnittliche Preis für ein Mittagessen 2,70 Euro und an weiterführenden Schulen 2,95 Euro.

Oft bleibt den Schülern auch zu wenig Zeit zum Essen. In nur 39 Prozent der Schulen dauert die Mittagspause mindestens 46 Minuten und länger, wie es die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt. In 29 Prozent der Schulhäuser ist die Pause zwischen 20 und 30 Minuten lang. Das trifft vor allem auf Schulen in Berlin, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu. Die längsten Mittagspausen hat Baden-Württemberg.

Als Konsequenz aus der Studie plädierte Ernährungsminister Schmidt dafür, dass die DGE-Qualitätsstandards flächenddeckend "Beachtung finden" sollten. Eine solche Regulierung sei aber Angelegenheit der Länder. Nach Ansicht von Arens-Azevedo kennen die Schulleiter die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen Standards. Sie seien aber oft nicht in den Verträgen etwa mit Caterern aufgeführt und würden deshalb auch nicht kontrolliert. Laut Studie gab es eine Kontrolle der Qualität in nur 28 Prozent der Fälle. Vertraglich sei die Qualität des Schulessens lediglich in den Stadtstaaten "zu 100 Prozent" verankert.

Die Verbraucherorganisation foodwatch forderte deshalb die Veröffentlichung aller Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen in Schulkantinen und bei Schul-Caterern. Es sei ein Unding, dass Lehrer und Eltern nicht auf die Kenntnisse der Behörden zugreifen können, um "den vertrauenswürdigsten Lieferanten für das Schulessen der Kinder zu ermitteln". Für gutes Essen müssten die Eltern auch zu höheren Preisen bereit sein, gab Arens-Azevedo zu bedenken. Die SPD-Fraktion im Bundestag brachte einen Einstieg des Bundes in die Schulverpflegung ins Gespräch. Eine hochwertige Verpflegung der Kinder dürfe nicht am Geldbeutel der Eltern scheitern, hieß es.

Das Deutsche Kinderhilfswerk sprach für ein neues Unterrichtsfach "Gesundheits- und Ernährungsbildung" aus. Nur jeder fünfte Schüler habe bislang in der Schule gekocht, erklärte Bundesgeschäftsführer Holger Hofmann. Fast 70 Prozent der Kinder und Jugendlichen wünschten sich genau das. In der Studie lagen bei den Schülern Nudeln, Pizza und Pfannkuchen besonders hoch im Kurs, Spinat, Suppe und Fisch dagegen nicht.

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