Evangelische Kirche will neue Medien stärker nutzen

Evangelische Kirche will neue Medien stärker nutzen
Das Internet eröffne der Kirche neue Räume für die Verkündigung, hieß es auf der EKD-Synode in Dresden. Es sei deutlich geworden, dass der digitale Wandel alle Lebensbereiche umfasse.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) will den digitalen Wandel kritisch begleiten und die neuen Medien verstärkt für die Verkündigung nutzen. Das Internet erweitere die Chancen für die Vermittlung des Evangeliums und eröffne der Kirche "neue Räume zum Hören, Erzählen und Lernen", heißt es in einer am Mittwoch in Dresden ohne Gegenstimme verabschiedeten Erklärung der EKD-Synode zur "Kommunikation des Evangeliums in der digitalen Gesellschaft". Zugleich wird darin vor den Gefahren der Datenflut gewarnt.

Das Kirchenparlament befasste sich bei seiner Tagung, die am Mittwochabend enden sollte, schwerpunktmäßig mit der Frage, wie Gemeinden und Verbände die Möglichkeiten neuer Medien wie Facebook, Twitter und WhatsApp nutzen können. Es sei vor allem deutlich geworden, dass der digitale Wandel alle Lebensbereiche umfasse, sagte der Emder Landessuperintendent Detlef Klahr bei der Einbringung der Beschlussvorlage. Für die Kirche heiße das, diesen Wandel zu begleiten und kritisch mitzugestalten. Klahr hatte einen Ausschuss geleitet, der die EKD-Synodentagung thematisch vorbereitete.

In der sogenannten Kundgebung heißt es, der digitale Wandel bringe epochale Veränderungen mit sich, "die Auswirkungen auf kirchliche Kommunikation haben". Die evangelische Kirche müsse sich verändern, damit Gemeinschaft auch in virtuellen Räumen gelebt werden könne. Nicht physische Nähe, sondern Kommunikation sei wesentlich. Die Kirche respektiere und fördere diese neuen Gestalten von Gemeinde.

In der Diskussion ging es unter anderem über die Frage, ob für eine Internet-Community der Begriff "Gemeinde" verwendet werden könne. Der frühere badische Landesbischof Ulrich Fischer lehnte dies ab. Zu einer Gemeinde gehörten konstitutionell Wort und Sakrament, sagte Fischer. Das Sakrament gebe es aber nicht im Netz. Mehrere Synodale widersprachen dem Geistlichen. Eine große Mehrheit des Kirchenparlaments stimmte für die Verwendung des Begriffs "Gemeinde". Kontrovers diskutiert wurde auch die Frage, wie Seelsorge im Online-Bereich zu definieren ist.

Der Text weist zugleich auf die Grenzen und Gefahren des digitalen Wandels hin. Der Mensch sei mehr als die Summe seiner Daten und digitalen Spuren, heißt es. Der Datensammlung und Auswertung müssten Grenzen gesetzt werden: "Als evangelische Kirche erinnern wir an das bleibende Geheimnis, das dem Menschen als Geschöpf Gottes zukommt."

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